Borderlands 4 wird kreativ: Fotomodus erscheint zusammen mit wichtigen Überarbeitungen – aber reicht das für den Vault?
Gearbox Software und Publisher 2K haben das Major Update 1.030 (Version 1.030.000, Patch 1.30) für ihren neuesten Looter-Shooter Borderlands 4 veröffentlicht. Das am 29. Januar 2026 ausgerollte Update liefert endlich den lang erwarteten Fotomodus sowie eine Reihe von Stabilitäts- und Performance-Verbesserungen. Ein entscheidender Punkt des Patches ist zudem die Überarbeitung des „Nullpunkt“-Skills der Vault-Jägerin Harlowe. Das Update ist ab sofort für PlayStation 5, PC und Xbox Series X/S verfügbar.
Das Chaos im Kasten: Das späte Debüt des Fotomodus
Das Aushängeschild des Major Updates 1.030 ist zweifellos die Einführung des Fotomodus, der direkt über das Pausenmenü während des Gameplays aufgerufen werden kann. Es ist erfreulich, dass dieses Feature nun den Weg ins Spiel gefunden hat, auch wenn es sich um ein bedeutendes Post-Launch-Ereignis handelt. Creative Director Graeme Timmins hatte bereits im Juni 2025 bestätigt, dass der Fotomodus bewusst erst nach der Veröffentlichung nachgereicht wird, da das Kern-Gameplay und Quality-of-Life-Verbesserungen für den Launch im September 2025 Vorrang hatten. Dennoch bleibt der Beigeschmack, dass ein Feature, das heute in vielen AAA-Titeln – besonders bei einem visuell so markanten Spiel wie Borderlands – zum Standard gehört, bereits zum Release hätte bereitstehen sollen. Die Diskussionen innerhalb der Community verdeutlichten jedenfalls den starken Wunsch danach.
Der neue Fotomodus bietet umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten, mit denen Spieler ihre In-Game-Screenshots veredeln können. Von der Anpassung der Kameraposition und des Sichtfelds (FOV) bis hin zur Feinabstimmung von Schärfentiefe und Kamerawinkeln sind die Optionen robust. Spieler können zudem visuelle Filter anwenden, Helligkeit, Kontrast, Sättigung und Gain korrigieren, Vignetten hinzufügen oder sogar die Tageszeit ändern. Für den perfekten Schnappschuss lässt sich die Sichtbarkeit von Charakteren, Beschwörungen, NPCs, Gegnern, Schadenszahlen, Logos und Letterboxing umschalten. Diese Funktionen konkurrieren mit dem Fotomodus aus Borderlands 3 und übertreffen ihn teilweise sogar, was das Tool zu einer mächtigen Ergänzung für Content Creator macht.
Es gibt jedoch einen entscheidenden Haken: Während der Fotomodus im Einzelspieler-Modus das Geschehen automatisch pausiert, geschieht dies in Online-Multiplayer-Sitzungen nicht. Diese Design-Entscheidung dient wohl dazu, Spielunterbrechungen zu vermeiden, zwingt Spieler jedoch dazu, extrem vorsichtig zu sein, wenn sie Momente mit Freunden festhalten wollen. In Koop-Runden schränkt dies den praktischen Nutzen erheblich ein. Zudem ist das Feature während Zwischensequenzen und im Konsolen-Splitscreen nicht verfügbar. Screenshots werden über die plattformspezifischen Tools erstellt (F12/Druck-Taste auf PC, Share-Button auf PS5, Capture-Button auf Xbox Series X).
Hinter der Linse: Kern-Fixes und Harlowes Transformation
Abseits der optischen Spielereien widmet sich das Update 1.030 zahlreichen technischen Problemen – ein notwendiger Schritt für ein Spiel, das seit dem Launch mit Kritik zu kämpfen hatte. Der Patch zielt darauf ab, die Missionen und den Fortschritt der Vault-Cards zu stabilisieren, die Zuverlässigkeit von Weltereignissen und Bossbegegnungen zu verbessern und Fehler in den Bereichen Waffen, Benutzeroberfläche, Grafik, Audio und allgemeine Performance zu beheben. Obwohl diese Korrekturen essenziell sind, bleibt die Meinung bestehen, dass solch grundlegende Probleme idealerweise näher am Launch hätten gelöst werden müssen.
Eine besonders nennenswerte Gameplay-Anpassung ist die Überarbeitung von Harlowes „Nullpunkt“-Skill (Zero-Point). Zuvor galt dieser als eine ihrer schwächsten Fähigkeiten, da er nur ein einzelnes Ziel festhalten konnte und kaum Synergien mit ihren frühen Skills bot. Die Überarbeitung integriert nun die Vorteile des bisherigen „Trägheit“-Augments (Inertia) direkt in den Basis-Skill: Kills im Stasis-Zustand setzen die Dauer zurück, suchen neue Ziele und beschleunigen den Verfall. Das „Trägheit“-Augment selbst wurde neu gestaltet und konzentriert sich nun auf die Erhöhung von Harlowes Slam-Schaden, das Erzeugen von Elementar-Projektilen sowie die Steigerung von Statuseffekt-Schaden und -Chance. Ziel ist es, den Skill im Vergleich zu Harlowes anderen Talentbäumen „befriedigender und besser ausbalanciert“ zu machen. Dass eine so massive Überarbeitung so kurz nach dem Launch nötig ist, deutet darauf hin, dass das initiale Balancing nicht ganz ausgereift war.
Der lange Weg vor uns: SHiFT-Codes und die Roadmap 2026
Als kleiner Anreiz können Spieler einen neuen SHiFT-Code (THFB3-R9XKK-CFBJW-T33BB-9R3CC) einlösen, um den Vault-Jäger-Kopf „Gourd Your Loins“ und den Waffen-Skin „Hex Appeal“ freizuschalten. Der Code ist bis zum 31. Dezember 2030 gültig und erfordert ein SHiFT-Konto sowie eine Internetverbindung. Kostenlose Kosmetika sind ein netter Bonus, wirken aber im Vergleich zu den anstehenden Inhalten eher wie eine kleine Geste.
Mit Blick auf die Zukunft hat Gearbox eine ehrgeizige Roadmap für das Jahr 2026 skizziert – ein klarer Versuch, die Spielerbasis zurückzugewinnen. Das erste Quartal soll zwei weitere große Updates sowie kostenpflichtige DLC-Packs bringen (Bounty Pack 2 und Story Pack 1). Im zweiten Quartal folgen kostenlose Inhalte wie eine Erhöhung der Level-Obergrenze und Cross-Platform-Saves – ein Feature, das unserer Meinung nach, genau wie Crossplay, bereits zum Start hätte verfügbar sein sollen. Zudem sind neue Endgame-Inhalte wie ein zweiter Raid-Boss und ein Takedown geplant. Vier weitere kostenpflichtige DLCs sollen im restlichen Verlauf des Jahres 2026 erscheinen.
Gearbox gab an, dass die Story-DLCs für Borderlands 4 in ihrem Umfang mit denen von Borderlands 3 vergleichbar sein werden. Trotz der positiven Aussichten muss das Studio beweisen, dass die schiere Menge an versprochenem Content nicht auf Kosten der Qualität geht. Das nächste Update 1.040 wird bereits mit weiteren Fehlerbehebungen erwartet.
Zahlenspiele: Wo steht Borderlands 4 aktuell?
Borderlands 4, das auf der Unreal Engine 5 basiert, startete am 12. September 2025 für PC, PS5 und Xbox Series X/S; eine Version für die Nintendo Switch 2 folgte am 3. Oktober 2025. Zum Launch erreichte der Titel allein auf Steam über 300.000 gleichzeitig aktive Spieler – ein Rekord für das Franchise, der die Zahlen von Borderlands 2 fast verdreifachte.
Allerdings stellten die hohen Systemanforderungen am PC eine Hürde für über die Hälfte der Steam-Nutzer dar. In Kombination mit Performance-Problemen und einem Mangel an fesselndem Endgame-Content führte dies zu einem rapiden Spielerschwund. Innerhalb von zwei Monaten nach dem Release brach die Spielerzahl auf Steam um 96 % auf etwa 10.000 gleichzeitig Aktive ein. Stand Januar 2026 liegt der Peak weiterhin bei knapp über 10.000, während an den meisten Tagen nur etwa 5.000 Spieler gleichzeitig online sind.
Dieser drastische Abfall ist zwar bei Live-Service-Titeln nicht unüblich, für ein so großes Franchise jedoch besorgniserregend. Zum Vergleich: Borderlands 3 hielt sechs Monate nach dem Steam-Release noch über 90.000 Spieler. Die Herausforderung für Gearbox besteht nun nicht nur darin, neuen Content zu liefern, sondern zu beweisen, dass Borderlands 4 eine aktive Community über den initialen Hype hinaus binden kann.
Die vollständigen Patch-Notizen finden Sie hier: https://borderlands.2k.com/borderlands-4/update-notes/
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