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AMD unter Druck: Steigende VRAM-Preise erzwingen Fokus auf 8-GB-Grafikkarten

AMD unter Druck: Steigende VRAM-Preise erzwingen Fokus auf 8-GB-Grafikkarten
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AMD scheint aktuell eine riskante Gratwanderung zu vollziehen. Berichten zufolge priorisiert das Unternehmen die Produktion von Grafikkarten mit lediglich 8 GB VRAM, wobei der Fokus primär auf dem wichtigen chinesischen Markt liegt. Dieser strategische Schwenk, der offenbar durch massiv steigende Kosten für GDDR6-Speicher erzwungen wurde, rückt Modelle wie die kommende Radeon RX 9060 XT 8GB und die bestehende Radeon RX 7650 GRE ins Rampenlicht. Während dieser Schritt aus betriebswirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar sein mag, betrachten wir die Entscheidung als potenziell kurzsichtig. In Anbetracht der aktuellen Diskussionen über VRAM-Limitierungen könnte dies viele Gamer enttäuschen.

Diese Entwicklung folgt unmittelbar auf die bereits im Januar 2026 durchgeführten Preiserhöhungen der AMD-Boardpartner. Weitere Aufschläge für Februar und März zeichnen sich bereits ab. Brancheninsider sehen in der dramatischen Verteuerung von Grafikspeicher den Hauptgrund dafür, dass Konfigurationen mit hohem VRAM-Ausbau in der Produktion zunehmend unrentabel werden.

Der VRAM-Engpass: Warum AMD den Fokus verlagert

Informationen aus den "Board Channels", die sich auf mehrere Quellen berufen, deuten darauf hin, dass AMD die Produktion der Radeon RX 9060 XT 8GB und der Radeon RX 7650 GRE für den chinesischen Markt massiv hochfährt. Besonders die RX 7650 GRE unterstreicht diesen regionalen Fokus, da sie ursprünglich als exklusives Modell für China konzipiert war.

Im Gegenzug verdichten sich die Hinweise, dass die Kapazitäten für Modelle mit mehr Speicher gedrosselt werden. Davon betroffen sind primär die Radeon RX 9070 (16 GB) und die Radeon RX 9070 GRE (12 GB). Während die Produktionszahlen für die Radeon RX 9060 XT 16GB und die RX 9070 XT stabil bleiben sollen, sieht es für die Einsteigerklasse düster aus: Die Radeon RX 9060 – eine 8-GB-Karte vornehmlich für OEMs – soll im Einkauf um etwa 10 US-Dollar teurer werden.

Interessanterweise gibt es widersprüchliche Meldungen von Benchlife, TechRadar und Wccftech. Diese besagen, dass AMD die 16-GB-Variante der RX 9060 XT im Einzelhandel dennoch bevorzugen könnte, um die Unzufriedenheit der Kunden abzufedern. Diese gegensätzlichen Informationen verdeutlichen, wie volatil die Strategieplanung derzeit ist, besonders im chinesischen Raum, wo offizielle Bestätigungen oft Mangelware sind.

Die alarmierende Realität der Speicherpreise

Der eigentliche Motor hinter diesen Anpassungen ist die Preisexplosion bei GDDR6-Modulen. Daten von DRAMeXchange zeigen ein erschreckendes Bild: Der Spot-Preis für 8 GB GDDR6-Speicher kletterte zwischen dem 1. Juli 2025 ($19,54) und dem 2. Dezember 2025 ($31,52) um unglaubliche 61 %. Der anhaltende KI-Boom wird als Hauptursache für den enormen Druck auf die Halbleiterindustrie angeführt.

Durch diese Teuerung sind 8-GB-Varianten in der Herstellung deutlich attraktiver geworden, da sie den AIB-Partnern (Add-in-Board) helfen, ihre Gewinnmargen zu sichern. AMD hat bereits reagiert und die Preise der Radeon-RX-9000-Serie angepasst. Boardpartner müssen für zusätzliche 8 GB VRAM mittlerweile rund 10 US-Dollar mehr bezahlen. Dies deckt sich mit AMDs früheren Warnungen vor Preissteigerungen von mindestens 10 % für das Jahr 2026. Der Speichermarkt befindet sich in einer "Hyper-Bull"-Phase, die sogar die Spitzenwerte von 2018 übertrifft. Die Vertragspreise für DRAM könnten im ersten Quartal 2026 um 90 bis 95 % steigen. Experten gehen davon aus, dass diese Knappheit bis mindestens Ende 2027 anhalten wird.

Distributoren haben bereits auf die Preiserhöhungen vom Januar reagiert und ihre Lagerbestände aufgestockt. Es besteht die Sorge, dass Ware zurückgehalten wird, um von zukünftigen Preissteigerungen zu profitieren, was die Verfügbarkeit weiter einschränken könnte.

Strategie und Marktauswirkungen der Preiserhöhungen

Die Preiserhöhungen von 5 bis 10 % im Januar 2026 waren erst der Anfang. Für die RX 9060 XT 8GB und die RX 9060 wird ein weiterer Anstieg der Einkaufspreise um 10 Dollar erwartet. Bei Karten mit mehr Speicher, wie der RX 9070 XT, könnte der Aufschlag sogar 20 Dollar betragen. Zur Einordnung: Die Radeon RX 9070 XT ist in den USA schon länger kaum noch zur ursprünglichen UVP von 599 Dollar zu finden.

Die aktuelle Strategie scheint darauf abzuzielen, die Preise der Radeon-GPUs stärker an vergleichbare NVIDIA-Modelle anzugleichen. Es ist offensichtlich, dass der schwierige DRAM-Markt es sowohl AMD als auch NVIDIA fast unmöglich macht, ihre Produkte zu den versprochenen Launch-Preisen anzubieten.

AMDs VRAM-Philosophie im Wandel der Zeit

Die Priorisierung von 8-GB-Karten steht im krassen Gegensatz zu AMDs früherem Marketing. Mit der RX-7000-Serie hatte das Unternehmen noch massiv für hohe Speicherkapazitäten geworben. Wir erinnern uns auch daran, dass AMD kurz vor dem Start der RX 6500 XT (die nur 4 GB bot) einen Blogpost löschte, der 4 GB als unzureichend für modernes Gaming bezeichnete. Diese Inkonsistenz in der Kommunikation wirft Fragen auf.

Frank Azor, AMDs Chief Director of Gaming Solutions, behauptete im Mai 2025, dass 8 GB für die Mehrheit der Gamer im Bereich 1080p-Esports ausreichend seien. Während dies für kompetitive Titel stimmen mag, sieht die Realität bei AAA-Blockbustern anders aus. Viele Tester und Spieler kritisieren, dass 8 GB selbst in 1080p zunehmend zum Flaschenhals werden – von 1440p oder Zukunftssicherheit ganz zu schweigen. NVIDIAs RTX 5060 Ti 8GB wurde bereits scharf für Ruckler und Texturprobleme kritisiert, obwohl die GPU-Leistung an sich ausreichte. Unsere Tests zeigen, dass eine RX 9060 XT mit 16 GB in 1440p deutlich runder läuft als die 8-GB-Konkurrenz, besonders wenn Raytracing aktiviert ist. Der "Sweet Spot" für moderne Gaming-Systeme liegt heute eher bei 12 oder 16 GB.

Die RX-9060-XT-Serie auf Basis der RDNA-4-Architektur sollte ursprünglich als das 1440p-Zugpferd positioniert werden. Wenn nun jedoch die 8-GB-Version forciert wird, konterkariert AMD seine eigenen Empfehlungen für höhere Auflösungen.

Das Umfeld: Was macht die Konkurrenz?

Während Intel die Preise für einige CPUs der Vorgängergeneration bereits angehoben hat, bleiben die Ryzen-Preise (Stand 3. Februar 2026) stabil. NVIDIA hat mit der RTX 5060 Ti (8 GB vs. 16 GB) bereits vorgeführt, wie sensibel Kunden auf die Speicherkapazität reagieren. Zudem gibt es Berichte, dass NVIDIA den VRAM nicht mehr im Paket mit der GPU an Partner liefert, was die Boardpartner zwingt, den Speicher eigenständig zu beschaffen – ein Schritt, der den Markt weiter verkomplizieren könnte. Interessanterweise versucht Intel im Budget-Segment Boden gutzumachen: Karten wie die Arc A580 bieten 12 GB VRAM für etwa 250 Dollar und setzen damit einen deutlichen Kontrast zum aktuellen Trend der Speicherreduzierung.

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