Blizzards altehrwürdiges Action-RPG Diablo II: Resurrected hat endlich den Weg auf Steam gefunden. Damit bricht das Spiel seine langjährige Exklusivität im Battle.net-Launcher und öffnet die Tore zu Sanktuario für ein noch breiteres Publikum. Die grafisch beeindruckende Neuauflage des Klassikers aus dem Jahr 2000 erschien offiziell am 11. Februar 2026 auf Valves Plattform. Zeitgleich markiert dieses Datum die Veröffentlichung der ersten neuen Inhalte seit einem Vierteljahrhundert: den DLC Reign of the Warlock. Um das Paket abzurunden, hat Blizzard bestätigt, dass Diablo II: Resurrected ab sofort das Siegel Steam Deck Verified trägt, was ein optimiertes Erlebnis auf Valves Handheld-PC garantiert.
Dieser strategische Schritt von Blizzard erweitert die Reichweite des Titels massiv, zumal das Spiel seit dem 12. Februar 2026 auch Teil des Xbox und PC Game Pass ist. Das Timing für das Steam-Debüt und die neuen Inhalte ist kein Zufall, sondern eine feierliche Würdigung des 30-jährigen Jubiläums der Diablo-Reihe. Wir beobachten hier einen signifikanten Kurswechsel bei Blizzard. Lange Zeit hütete der Publisher seine Marken streng hinter den Mauern des eigenen Battle.net-Launchers – ein Trend, der im August 2023 mit der Steam-Veröffentlichung von Overwatch 2 endete. Es scheint, als würde der Publisher zunehmend auf eine breitere Distribution setzen, um die enorme Nutzerbasis von Steam zu erschließen.
Die Fesseln sprengen: Steam-Integration und Handheld-Dominanz
Seit dem ursprünglichen Launch von Diablo II: Resurrected im Jahr 2021 forderten Spieler lautstark mehr Plattform-Optionen. Der Release auf Steam reagiert direkt auf diese Wünsche und passt zur aktuellen Branchenentwicklung, in der große Publisher ihre eigenen Launcher zunehmend ergänzen, um mehr Spieler zu erreichen. Unserer Meinung nach ist dieser Schritt, wenngleich er längst überfällig war, ein Gewinn für die Entscheidungsfreiheit der Spieler und die Langlebigkeit des Spiels.
Besonders hervorzuheben ist der Status Steam Deck Verified. Diese Zertifizierung garantiert eine robuste Controller-Unterstützung, gut lesbare Texte und eine stabile Performance direkt nach der Installation. Zwar fanden findige Spieler bereits früher Wege, die Battle.net-Version via Proton auf dem Steam Deck zum Laufen zu bringen – teilweise mit 70-90 FPS auf niedrigen Einstellungen –, doch die native Steam-Integration bietet nun ein echtes Plug-and-Play-Erlebnis. Das manuelle Basteln mit Drittanbieter-Launchern gehört damit der Vergangenheit an. Die Steam-Version bietet zudem native Steam Achievements, unterstützt kooperative Sitzungen für bis zu acht Spieler und saisonale Ranglisten-Resets. Wer bereits bestehende Online-Charaktere besitzt, kann diese problemlos übernehmen, indem er sein Battle.net-Konto mit Steam verknüpft.
Reign of the Warlock: Ein Vierteljahrhundert Wartezeit
Zusammen mit dem Steam-Release am 11. Februar 2026 markiert der DLC Reign of the Warlock einen historischen Meilenstein: Es ist der erste neue Content für Diablo II seit der Erweiterung Lord of Destruction im Jahr 2001. Das Add-on ist auf allen Plattformen verfügbar, einschließlich PlayStation 5, Xbox Series X/S, PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch sowie PC via Steam und Battle.net.
Das Herzstück des DLCs ist zweifellos die neue Klasse: der Warlock. Dieser Dämonenbeschwörer bietet einen faszinierenden Hybrid-Spielstil, bei dem Spieler Feinde binden und verschlingen können, um temporäre Stärkungszauber zu erhalten. Das Design enthält subtile Anspielungen auf Ikonen aus dem ersten Diablo-Teil, was die Klasse wie eine organische Ergänzung des Originals wirken lässt und nicht wie einen Fremdkörper. Die drei Skillbäume des Warlocks – Dämonenpakt (Binden und Opfern von Dämonen), Hexenkunst-Bewaffnung (Flüche und Waffenmanipulation) und Chaos-Arkana (Fernkampfangriffe basierend auf Feuer, Leere und Entropie) – ermöglichen eine enorme Build-Vielfalt. Besonders spannend: Die passive Fähigkeit des Warlocks, eine Waffe in der rechten Hand schweben zu lassen, erlaubt es, eine Zweihandwaffe zu führen und gleichzeitig einen Gegenstand in der Schildhand (wie den neuen Folianten) zu nutzen. Dies bricht traditionelle Klassenbeschränkungen auf und fördert Synergien zwischen Nahkampf und Zauberei. Wir empfinden diesen Ansatz als gelungene Auffrischung, die strategische Tiefe verleiht, ohne den Kern des Klassikers zu verraten.
Zusätzlich zum Warlock bringt Reign of the Warlock weitere wichtige Updates:
- Verbesserte Terrorzonen: Spieler können nun gezielt auswählen, welche Akte Schwierigkeits-Boosts und bessere Belohnungen erhalten sollen, was mehr Kontrolle über das Endgame-Farming bietet.
- Heralds of Terror und Colossal Ancients: Diese neuen Gegner und ein herausfordernder Bosskampf sind exklusiv im Schwierigkeitsgrad „Hölle“ verfügbar. Freigeschaltet werden sie durch das Sammeln von fünf mystischen Statuen.
- Quality-of-Life-Verbesserungen: Zu den willkommensten Neuerungen gehören integrierte Loot-Filter, verbesserte Truhenfächer mit Stapelfunktion und ein Chronik-System zur Verfolgung gesammelter Gegenstände. Auch wenn diese Verbesserungen großartig sind, bleibt der Beigeschmack, dass sie schon vor Jahren hätten implementiert werden sollen, um das altbekannte Inventar-Chaos zu bändigen.
Blizzard plant den Warlock langfristig ein: Der Charakter soll am 28. April 2026 in Diablo 4: Lord of Hatred und im Sommer 2026 in Diablo Immortal erscheinen. Diese spielübergreifende Strategie wird durch Belohnungen wie das Haustier „Kervek der Faulige“ für Diablo IV oder ein Horadrimwürfel-Möbelstück für World of Warcraft untermauert.
Preise und Gegenwert: Eine gespaltene Meinung
Auf Steam wird Diablo II: Resurrected ausschließlich als Infernal Edition für 39,99 € angeboten, die sowohl das Hauptspiel als auch den DLC enthält. Eine Option, nur das Basisspiel auf Steam zu kaufen, existiert nicht. Bestehende Battle.net-Nutzer können den DLC hingegen separat für 24,99 € erwerben.
Diese Preisstruktur sorgt in der Community für hitzige Diskussionen. Viele Veteranen fühlen sich benachteiligt: Neulinge erhalten das Gesamtpaket für knapp 40 €, während Spieler der ersten Stunde, die damals bereits 40 € für das Hauptspiel zahlten, nun erneut 25 € auf den Tisch legen müssen – insgesamt also 65 € für denselben Inhalt. Wir stehen dieser „Treue-Steuer“ skeptisch gegenüber. Vergleicht man dies mit Lord of Destruction, das damals zwei Klassen, einen kompletten Akt und zahlreiche Mechaniken einführte, wirkt das aktuelle Preis-Leistungs-Verhältnis für Bestandskunden weniger attraktiv.
Wichtige Aspekte für angehende Jäger
Trotz der erweiterten Zugänglichkeit sollten Spieler einige kritische Punkte beachten:
- Permanente Internetverbindung: Die Steam-Version setzt eine ständige Internetverbindung voraus. Dies ist ein wunder Punkt, da frühere Diskussionen über die Battle.net-Version zumindest zeitweises Offline-Spiel nach einer Authentifizierung andeuteten. Berichten zufolge müssen nun selbst Einzelspieler-Charaktere regelmäßig online validiert werden.
- Battle.net-Account erforderlich: Ein verknüpftes Konto bleibt zwingend notwendig für das Online-Spiel. Während Online-Charaktere synchronisiert werden, müssen Offline-Charaktere am PC eventuell manuell auf das Steam Deck übertragen werden.
- Verwirrung um die Desktop-App: Es gibt widersprüchliche Infos, ob die Battle.net-App im Hintergrund laufen muss. Zwar wird sie in den Anforderungen gelistet, viele Nutzer berichten jedoch, dass das Spiel direkt startet und sich lediglich im Hauptmenü in die Blizzard-Dienste einloggt.
- Probleme mit Bonus-Inhalten: Blizzard hat bestätigt, dass Käufer der Infernal Edition auf Steam ihre Boni für Diablo IV und WoW teils verzögert erhalten. An einer Lösung wird bereits gearbeitet.
Trotz dieser Einschränkungen ist die Landung von Diablo II: Resurrected auf Steam ein bedeutender Moment. Mit einem Peak von über 5.300 gleichzeitigen Spielern auf Steam kurz nach Release und geschätzten 50.000 täglichen Spielern über alle Plattformen hinweg zeigt sich: Sanktuario hat auch nach 25 Jahren nichts von seiner Faszination verloren. Es gibt sogar Berichte, wonach Resurrected weiterhin mehr aktive Spieler verzeichnet als Diablo III. Es bleibt abzuwarten, ob Blizzard auf das Feedback zur Preisgestaltung reagiert, um diese neue Ära des Klassikers perfekt zu machen.
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