Der PC-Release von Death Stranding 2: On the Beach am 19. März startete mit der Wucht, die man von einem Hideo-Kojima-Titel erwartet. Innerhalb weniger Tage erreichte das Spiel über 55.000 gleichzeitig aktive Spieler auf Steam und übertraf damit die kombinierten Launch-Zahlen des Originals und des Director’s Cut. Doch wer gehofft hatte, Sam Porter Bridges' neueste Reise durch Australien bequem im Handheld-Modus zu erleben, sieht sich aktuell mit erheblichen Hürden konfrontiert.
Nixxes Software, das für die Portierung verantwortliche Studio, hat zwar eine dedizierte Grafik-Voreinstellung namens „Portable“ integriert, doch das Erlebnis auf dem Steam Deck bleibt vorerst ernüchternd. Bis zum 24. März 2026 hat das Spiel noch kein offizielles „Verified“- oder „Playable“-Siegel von Valve erhalten. Erste Berichte aus der Community deuten darauf hin, dass die Bezeichnung „Portable“ eher ein frommer Wunsch als eine funktionale Lösung für die aktuelle Hardware des Decks ist.
Die Decima Engine vs. Handheld-Hardware
Die technischen Schwierigkeiten lassen sich größtenteils auf die Decima Engine zurückführen. Diese Engine ist zwar für einige der beeindruckendsten Grafiken der letzten Generation verantwortlich, leidet auf dem Steam Deck jedoch bekanntermaßen unter „Traversal Stutter“ – also Rucklern beim Laden neuer Gebiete. Dieses Problem trat bereits beim ersten Death Stranding und kürzlich auch in Horizon Zero Dawn Remastered auf.
In Death Stranding 2 sind die technischen Anforderungen massiv gestiegen. Die Mindestanforderungen verlangen eine GTX 1660 oder eine Radeon RX 5500 XT – beide liegen deutlich über der Leistung der integrierten RDNA-2-GPU des Steam Decks. Selbst mit dem „Portable“-Preset, das alle Einstellungen auf das absolute Minimum reduziert, berichten Tester in Foren, dass stabile 30 FPS auf dem Steam Deck OLED kaum zu erreichen sind. Besonders in den weiten, offenen Landschaften bricht die Performance regelmäßig ein.
Ein weiteres Hindernis ist der hauseigene PICO-Upscaler (Progressive Image Compositor). Im Gegensatz zu FSR oder DLSS, die auf schwacher Hardware oft kleine Wunder bewirken, benötigt PICO in der Regel eine solide Basisauflösung, um ein sauberes Bild zu liefern. Auf dem 800p-Display des Decks fehlen schlichtweg die Rohdaten, damit der Upscaler effektiv arbeiten kann, ohne dass die Bildqualität massiv leidet.
Der „Eclipse“-Workaround
Da das offizielle „Portable“-Preset derzeit keine flüssige Spielerfahrung bietet, ist die Modding-Community bereits eingesprungen. Die „Eclipse Mod“, die seit etwa dem 23. März 2026 kursiert, versucht Rendering-Parameter zu optimieren, die in den Standardmenüs gesperrt sind.
In Kombination mit Lossless Scaling – einem kostenpflichtigen Tool auf Steam – ist es einigen Nutzern gelungen, einen Zustand zu erreichen, den sie als „gerade so spielbar“ beschreiben. Eine benutzerfreundliche Lösung ist dies jedoch nicht. Der Prozess umfasst:
- Den Wechsel des Decks in den Desktop-Modus.
- Das manuelle Verschieben von Dateien in das Spielverzeichnis.
- Die Bindung an die Spielversion 1.0.48 (zukünftige Patches könnten die Mod unbrauchbar machen).
- Feineinstellungen bei der Frame-Interpolation, um Performance-Einbrüche zu kaschieren.
Für die meisten Spieler ist dieser Aufwand zu hoch, zumal das Spielgefühl durch unregelmäßige Frame-Pacing-Zeiten während der Wanderungen weiterhin gestört wird.
Lehren aus dem ersten Teil
Auch wenn der aktuelle Status „Unbekannt“ deprimierend wirken mag, zeigt die Erfahrung, dass Nixxes und Kojima Productions ihre Titel langfristig pflegen. Das erste Death Stranding wurde schlussendlich zu einem Vorzeigetitel für das Steam Deck, auch wenn es mehrere Patches dauerte, bis Ruckler und Abstürze behoben waren.
Es gibt zudem Hoffnungsschimmer aus dem Linux-Ökosystem. Desktop-Nutzer unter Linux berichten, dass die Verwendung von „Proton Experimental“ die Stabilität verbessert hat, wenngleich diese Optimierungen auf dem begrenzten Leistungsbudget des Steam Decks noch nicht voll durchschlagen.
Nixxes gilt als eines der besten Portierungs-Studios der Branche. Dass bereits zum Launch ein „Portable“-Preset existiert, beweist, dass Handhelds bei der Entwicklung berücksichtigt wurden. Ob die Hardware des Decks letztlich stark genug optimiert werden kann, um diesen 150-GB-Koloss flüssig darzustellen, bleibt die zentrale technische Frage.
Geduld ist gefragt
Wer darüber nachdenkt, Death Stranding 2 ausschließlich für das Steam Deck zu kaufen, sollte derzeit vorsichtig sein:
- Vorerst nicht für reine Deck-Spieler empfohlen: Wenn das Steam Deck Ihre einzige Plattform ist, sollten Sie auf ein offizielles „Playable“- oder „Verified“-Label warten. Die Performance „out-of-the-box“ ist aktuell unzureichend.
- Das „Portable“-Preset ist kein Allheilmittel: Man sollte nicht davon ausgehen, dass diese Einstellung automatisch 30 FPS garantiert. Momentan wirkt es eher wie ein Schalter für niedrigste Details, der in der Open World dennoch an seine Grenzen stößt.
- Modding ist nur eine Übergangslösung: Die Eclipse-Mod bietet einen Weg zur Spielbarkeit, ist aber aufgrund der Abhängigkeit von spezifischen Versionen für Gelegenheitsnutzer zu instabil.
- Updates von Nixxes abwarten: Angesichts der Erfolgsgeschichte des Studios ist ein dedizierter Performance-Patch wahrscheinlich, auch wenn dieser noch nicht offiziell angekündigt wurde.
Im Moment gleicht Death Stranding 2 auf dem Steam Deck einer Brücke, deren Bau noch nicht abgeschlossen ist. Das Fundament steht, aber die Überquerung ist derzeit eine sehr wackelige Angelegenheit.
Kommentare