Die Grenzen zwischen Konsolen- und PC-Gaming verschwimmen seit Jahren – eine Beobachtung, die mittlerweile fast zum Klischee geworden ist. Doch selten erleben wir, dass eine integrierte Grafikeinheit (iGPU) dedizierte Konsolen-Hardware so direkt herausfordert. Genau diese überraschende Entwicklung zeichnet sich derzeit rund um Intels neue Arc B390 iGPU ab, die auf der Xe3-Architektur basiert und unter dem Codenamen „Panther Lake“ läuft. Aktuelle Benchmarks offenbaren eine verblüffende Realität: Diese integrierte Lösung liefert in anspruchsvollen Titeln wie Alan Wake 2 ein Spielerlebnis, das die Xbox Series S nicht nur erreicht, sondern in entscheidenden Punkten sogar übertrifft.
Wir sind der Überzeugung, dass dies den Weg für High-Fidelity-Gaming in ultradünnen Laptops und Handhelds ebnet und unsere Erwartungen an integrierte Grafikchips grundlegend verschiebt.
Das Alan Wake 2 Duell: Integrierte Grafik gegen den Konsolen-Standard
Der Vergleich, der die Branche aufhorchen ließ, stammt von Digital Foundry und pausehardware.com. Im Fokus stand Alan Wake 2 – ein grafisches Schwergewicht, das selbst moderne High-End-Hardware an ihre Grenzen bringt. Die Tests der Arc B390, die in einer Core Ultra X9 388H CPU (getestet in Systemen wie dem Lenovo IdeaPad Pro 5) integriert ist, lieferten beeindruckende Ergebnisse.
Bei einer Leistungsaufnahme von 30 Watt – einem Standardwert für Gaming-Handhelds – erreichte die Arc B390 in Alan Wake 2 durchschnittlich 29,54 Bilder pro Sekunde (fps). Dies geschah bei einer Ausgabeauflösung von 1440p unter Verwendung von FSR 2 (Balanced-Modus) von einer niedrigeren internen Auflösung, mit angepassten niedrigen PC-Einstellungen und einem 30-fps-Limit. Die Performance wurde als „weitgehend stabile 30 fps mit meist gleichmäßigem Frame-Pacing“ beschrieben.
Wie schlägt sich das im Vergleich zur Xbox Series S? Die Konsole, die Alan Wake 2 ebenfalls mit einer 1440p-Ausgabe (hochskaliert von internen 720p via FSR 2) und einem 30-fps-Limit wiedergibt, nutzt laut Testern ein „stärker kompromittiertes Feature-Set“ mit reduzierter Qualität bei Schatten und Vegetation. Das Ergebnis auf der Konsole war ein „deutlich unruhigeres, ruckligeres Erlebnis“. Die 29,54 fps der Arc B390 entsprechen in diesem speziellen Szenario einer etwa 7 % höheren Bildrate als bei der Series S.
Dieser Erfolg ist bemerkenswert, auch wenn man die Rahmenbedingungen beachtet. Digital Foundry betont zwar, dass es sich aufgrund unterschiedlicher Grafikmenüs nicht um einen exakten Eins-zu-eins-Vergleich handelt und Alan Wake 2 auf mobilen iGPUs teils eigenwillig reagiert. Dennoch zeigt die Tatsache, dass eine iGPU in einem so fordernden Titel mithalten kann, den massiven Fortschritt von Intel. Die moderne Xe3-Architektur der Arc B390 scheint die etwa sechs Jahre alte, angepasste RDNA-2-Architektur der Xbox Series S auszugestalten. Unserer Ansicht nach verdeutlicht dies die Stagnation der Einstiegs-Konsolen-Hardware gegenüber dem rasanten Fortschritt bei PC-iGPUs.
Jenseits der Benchmarks: Intels aggressiver Aufstieg
Die Ergebnisse von Alan Wake 2 sind kein Einzelfall. Die Arc B390 demonstriert einen signifikanten Sprung über eine ganze Reihe von Titeln und Benchmarks hinweg und markiert eine neue Leistungsklasse für Intel.
- Generationssprung: Die neue iGPU bietet einen Leistungsvorteil von rund 70 % gegenüber den bisherigen Arc Graphics 140T/140V Modellen. Das ist kein kleiner Schritt, sondern ein massiver Sprung nach vorn.
- Dominanz gegenüber AMD: Intels neuer Chip zeigt einen Vorsprung von 50 bis 80 % gegenüber kleineren iGPUs der Radeon-800-Serie (Zen 5) und schlägt Berichten zufolge die Radeon 890M deutlich – bei 24/25 Watt soll er bis zu 63 % schneller sein. Während AMDs Strix-Halo-iGPUs zwar leistungsstärker bleiben, operieren diese in weitaus höheren Watt-Bereichen und spielen somit in einer anderen thermischen Liga.
- Herausforderung für dedizierte GPUs:
- Intel behauptet selbst, die Arc B390 sei im Durchschnitt etwa 10 % schneller als eine Nvidia RTX 4050. Auch wenn diese Aussage in Online-Foren teils skeptisch aufgenommen wurde, zeichnen unabhängige Tests das Bild einer überraschend starken iGPU.
- In Spielen ohne Raytracing oder Upscaler bewegt sich die B390 meist zwischen einer Radeon RX 580 und einer GeForce RTX 2060. Die GTX 1060 wird konsequent geschlagen.
- Bei Raytracing übertrifft die Xe3-Architektur oft die RTX 2060 und sogar die RX 7600. Ein architektonischer Vorteil ist hier die Nutzung des Systemspeichers als VRAM, wodurch Engpässe vermieden werden, die bei dedizierten 8-GB-Karten oft auftreten.
Praxisnahe Gaming-Benchmarks untermauern diese Fähigkeiten:
- Cyberpunk 2077 (1080p, Medium, XeSS Balanced): 99,45 FPS, steigend auf 165,74 FPS mit Frame Generation (FG) 2x.
- Forza Horizon 5 (1080p, Medium, XeSS Quality): 111 FPS.
- Doom: The Dark Ages (1080p, High, XeSS Balanced): 58,4 FPS, steigend auf 97,8 FPS mit FG 2x.
- Assassin's Creed Shadows (1080p, Medium, XeSS Balanced): 58 FPS, steigend auf 118 FPS mit FG 2x.
- Shadow of the Tomb Raider (1200p, High, nativ): 75 FPS im Durchschnitt.
Sogar extrem fordernde Titel wie Baldur's Gate 3 (50 fps bei 1080p, maximale Details) und Elden Ring (61 fps bei 1080p, maximale Details) sind ohne Frame Generation flüssig spielbar. Das ist nicht mehr nur „für eine iGPU ordentlich“, sondern ein wirklich genießbares Erlebnis.
XeSS und Multi-Frame Generation: Das Ass im Ärmel
Ein entscheidender Faktor für die Stärke der Arc B390 ist die Unterstützung fortschrittlicher Technologien: XeSS 3 Upscaling und vor allem Multi-Frame Generation (MFG) bis zu 4x. Die B390 ist die erste iGPU, die MFG in diesem Umfang unterstützt. Diese Technologien sind essenziell, um die Leistungslücke in modernen Spielen zu schließen und massive FPS-Steigerungen zu erzielen, die anspruchsvolle Titel erst bei hohen Einstellungen spielbar machen.
Die Auswirkungen: Mobiles Gaming neu definiert, mit Vorbehalten
„Intels Arc B390 stellt einen gewaltigen Sprung dar und bietet eine Leistung, die mit dedizierten Einstiegs- und sogar Mittelklasse-GPUs konkurriert. Das verändert den Markt für integrierte Grafik grundlegend“, kommentiert ein Branchenanalyst. Dieser Einschätzung schließen wir uns an. Dieser Fortschritt hat tiefgreifende Folgen:
- Mobiles Gaming: Die Arc B390 läutet eine Ära ein, in der hochwertiges Gaming auf dünnen Laptops ohne schwere Zusatz-GPU möglich wird.
- Druck auf die Konkurrenz: Intel setzt AMDs integrierte Lösungen unter Zugzwang und greift direkt die Einstiegs-GPUs von Nvidia und AMD an. Der Markt für dedizierte Low-End-Grafikkarten könnte bald vor einer Existenzkrise stehen.
- Erwartungshaltung: Konsumenten werden künftig deutlich mehr von „integrierter Grafik“ erwarten.
Dennoch ist es kein totaler Sieg. Die Arc B390 liegt weiterhin deutlich hinter aktuellen Konsolen wie der PlayStation 5 zurück, die in Alan Wake 2 fast die doppelte Performance liefert (55,25 fps vs. 28,91 fps bei vergleichbaren Settings). Zudem gibt es Berichte über Kinderkrankheiten, wie Speicherprobleme in F1 25 oder unzuverlässige Frame Generation in Borderlands 4 – typische Hürden für neue Hardware-Architekturen.
Ein weiteres Hindernis für die breite Masse ist am heutigen 13. Februar 2026 die Verfügbarkeit und der Preis. Während die Technik überzeugt, bleibt eine Xbox Series S mit einem Preis von rund 299 USD die wesentlich günstigere Alternative für vergleichbare Performance. Das zeigt: Die Technologie ist bereit, aber der Markt muss bei Preis und Verfügbarkeit erst noch nachziehen.
Mit Blick in die Zukunft plant Intel bereits Xe3P-Implementierungen mit „Nova Lake“ noch in diesem Jahr, was ein „vollständiges Xe3-Design“ verspricht. Da AMD bei seinen Mainstream-Mobilchips vorerst wohl bei RDNA 3.5 bleibt, ist Intel bestens positioniert, um die Führung im Bereich der integrierten Grafik zu übernehmen. Die Arc B390 ist ein klares Statement: Integrierte Lösungen sind jetzt bereit für echtes Gaming.
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