Microsoft hat die Version 0.97 der PowerToys veröffentlicht, der beliebten Open-Source-Sammlung für Windows-Power-User. Mit dem Update vom 20. Januar 2026 führt das Paket das neue Maus-Tool "CursorWrap" ein, spendiert der Command Palette umfassende Upgrades und optimiert zahlreiche bestehende Werkzeuge. Die PowerToys haben eine lange Tradition: Ursprünglich für Windows 95 entwickelt (man denke an das legendäre Tweak UI), kehrten sie 2019 als Open-Source-Projekt für Windows 10 und 11 zurück, um gezielt Produktivitätslücken im Betriebssystem zu schließen.
Niels Laute, Senior Product Manager bei Microsoft, bewirbt CursorWrap vor allem als Erleichterung für Nutzer von Multi-Monitor-Setups, die es leid sind, "die Maus über die gesamte Bildschirmbreite ziehen zu müssen". Ob dieses neue Feature im Alltag wirklich überzeugt oder eher für Frust sorgt, haben wir uns genauer angesehen.
CursorWrap: Ein innovativer, aber holpriger Navigations-Ansatz
Das Highlight von PowerToys 0.97 ist zweifellos CursorWrap. Dieses Tool erlaubt es dem Mauszeiger, von einer Bildschirmkante direkt zur gegenüberliegenden Seite zu "teleportieren". Wer die Maus über den rechten Rand schiebt, lässt sie augenblicklich links wieder erscheinen – das Gleiche funktioniert auch vertikal. Das Ziel: Die physischen Wege der Maus zu verkürzen und die Navigation auf großen Desktop-Flächen flüssiger zu gestalten. Gerade bei mehreren Monitoren verspricht das eine spürbare Entlastung für das Handgelenk.
In der Praxis verlief der Start jedoch nicht ganz reibungslos. Erstes Feedback aus der Community zeigte schnell Schwachstellen auf: Das vertikale Springen sorgte beim Surfen im Web oft für Verwirrung, da Nutzer versehentlich auf Taskleistenelemente klickten. Auch bei Multi-Monitor-Systemen nebeneinander störte das Springen von oben nach unten, besonders wenn man eigentlich nur einen Browser-Tab ansteuern oder ein Fenster minimieren wollte. Oft schoss der Zeiger über das Ziel hinaus und landete am unteren Bildschirmrand.
Microsoft reagierte jedoch prompt. Kurz nach dem Release erschien Version 0.97.1, die separate Schalter für horizontales und vertikales Wrapping einführte. Diese schnelle Reaktion unterstreicht die Stärke des Open-Source-Modells der PowerToys. Nutzer können nun beispielsweise das vertikale Springen deaktivieren und nur die horizontale Bewegung nutzen, was viele der anfänglichen Probleme löst. Dennoch bleibt CursorWrap gewöhnungsbedürftig. Während Konzepte wie "Mouse Jump" (mit einer Miniatur-Vorschau) oder Tools wie "Synergy" andere Ansätze verfolgen, bleibt das kantenbasierte Teleportieren von CursorWrap eine interessante, wenn auch zunächst polarisierende Neuerung.
Command Palette mit Turbo: Mehr als nur ein Launcher
Die Command Palette, die über aufgerufen wird, hat in Version 0.97 ein massives Upgrade erhalten. Microsoft macht aus dem einst simplen Suchfeld eine tief integrierte Schaltzentrale für den gesamten Workflow.
Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:
- Individuelle Optik: Über eine neue Personalisierungsseite lassen sich Hintergrundbilder und Farbakzente festlegen, um den Launcher optisch an das eigene System anzupassen.
- Ranking-Funktion: Nutzer können die Priorität der Suchergebnisse nun per Drag-and-Drop selbst bestimmen. Wer bestimmte Dateien oder Funktionen häufiger nutzt, findet sie so deutlich schneller.
- PowerToys-Integration: Viele Funktionen anderer PowerToys-Module lassen sich nun direkt aus der Command Palette steuern – etwa das Wechseln von FancyZones-Layouts oder der Start des Color Pickers.
- Peek-Integration: Dank der Einbindung von Peek können Dateien und Ordner direkt im Launcher in der Vorschau betrachtet werden, ohne dass man die Tastatur verlassen oder das Fenster wechseln muss.
- Remote Desktop Extension: Ein Segen für Admins ist der Schnellzugriff auf Remote-Desktop-Verbindungen direkt über die Suche.
- Globale Anpassung: Die Unterstützung für benutzerdefinierte Suchmaschinen und Pinyin-Eingabe zeigt Microsofts Fokus auf Barrierefreiheit und internationale Nutzbarkeit.
- Intuitive Bedienung: Suchergebnisse oder Inhalte aus dem Zwischenablage-Verlauf lassen sich nun per Drag-and-Drop direkt in andere Anwendungen ziehen.
Diese Verbesserungen machen die Command Palette zum eigentlichen Star des Updates, da sie die tägliche Arbeit spürbar beschleunigen.
Allgemeine Verbesserungen und Fehlerbehebungen
Neben den großen Neuerungen bringt Version 0.97 eine Vielzahl an Detailverbesserungen mit sich, die das System stabiler und schneller machen:
- Performance: Das Quick Access Flyout wurde vom Hauptprozess der Einstellungen entkoppelt und startet nun deutlich flinker.
- System-Integration: Das Tool "Light Switch" ist nun mit dem Windows-Nachtmodus verknüpft, was für ein konsistenteres Erlebnis sorgt.
- Advanced Paste: Das Tool zeigt nun Vorschauen für HEX-Farbcodes an und unterstützt Bildeingaben für KI-gestützte Konvertierungen.
- Find My Mouse: Die visuelle Darstellung des Spotlights wurde verbessert, um den Cursor noch schneller zu finden.
- Sicherheit in Peek: Warnungen bei externen Links und eine bessere SVG-Vorschau via WebView2 erhöhen die Sicherheit und Kompatibilität.
- PowerRename: Das Tool beherrscht nun EXIF-Daten von HEIF- und AVIF-Bildern besser und wurde hinsichtlich Speichermanagement und Unicode-Verarbeitung optimiert.
- Automatisierung: Die CLI-Unterstützung (Kommandozeile) für FancyZones, Image Resizer und File Locksmith wurde erweitert, was besonders für Skripting-Fans interessant ist.
Verfügbarkeit
Wer die PowerToys 0.97 ausprobieren möchte, kann das Update ab sofort beziehen. Es steht im Microsoft Store (aka.ms/getPowertoys), im offiziellen GitHub-Repository (github.com/microsoft/PowerToys/releases) oder via winget () bereit.
Auch im Jahr 2026 bleiben die PowerToys eine unverzichtbare Sammlung für alle, die Windows 10 oder 11 produktiver nutzen wollen, ohne auf eine Vielzahl von Drittanbieter-Apps angewiesen zu sein. Die stetige Weiterentwicklung zeigt, dass Microsoft das Feedback seiner Power-User ernst nimmt – auch wenn neue Features wie CursorWrap manchmal einen zweiten Anlauf brauchen.
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