Acht Jahre nach seiner ursprünglichen Veröffentlichung hat Kingdom Come: Deliverance (KCD) ein umfassendes „Next-Gen-Update“ für PlayStation 5 und Xbox Series X|S erhalten. Damit möchte Warhorse Studios sein historisch akkurates RPG näher an moderne Konsolenstandards bringen. Das kostenlose Upgrade, das zeitgleich mit den Feierlichkeiten zum achten Jubiläum des Spiels und dem Release von Kingdom Come: Deliverance II im letzten Jahr veröffentlicht wurde, verspricht eine deutlich flüssigere und visuell verfeinerte Reise durch das Böhmen des 15. Jahrhunderts. Doch verwandelt dieses „Quality-of-Life“-Update das Erlebnis wirklich, oder ist das Alter des Spiels nach wie vor spürbar? Wir haben uns erneut in den Sattel geschwungen, um es herauszufinden.
Der 60-FPS-Unterschied: Eine grundlegende Verbesserung
Die zweifellos wirkungsvollste Neuerung dieses Updates ist die Zielrate von 60 Bildern pro Sekunde (FPS) auf allen aktuellen Konsolen. Diese Verbesserung verändert das Spielgefühl von Kingdom Come: Deliverance fundamental und geht weit über eine bloße numerische Steigerung hinaus. Die ursprünglichen Konsolenversionen waren berüchtigt für ihre Begrenzung auf 30 FPS, was dazu führte, dass sich das Kampfsystem – obwohl einzigartig und fordernd – oft träge und unpräzise anfühlte. Mit der neu gewonnenen Flüssigkeit reagieren Heinrichs Schwertstreiche, Paraden und Meisterschläge deutlich direkter und sind einfacher zu lesen. Für Spieler, die das ursprüngliche Kampfsystem als unüberwindbare Hürde empfanden, bietet dieses Update eine echte Chance, sich auf die komplexen Duelle von KCD einzulassen, die sich nun weitaus intuitiver anfühlen. Es transformiert das Gameplay von Moment zu Moment und lässt die brutalen mittelalterlichen Begegnungen fairer und packender wirken.
Ergänzt wird die höhere Bildrate durch Verbesserungen bei der Auflösung, die auf PS5 und Xbox Series X bis zu 4K erreicht (die Xbox Series S zielt auf 1440p ab). Hinzu kommen hochauflösende Texturen, FSR-Upscaling und erweiterte Grafikfeatures, die „Ultra-Einstellungen“ anstreben, wie man sie bisher nur von der PC-Version kannte. Die künstlerische Vision des Originalspiels bleibt dabei wunderschön erhalten. Die gesteigerte visuelle Wiedergabetreue haucht den weitläufigen Landschaften, detaillierten Städten und verwinkelten Innenräumen Böhmens neues Leben ein. Das Erkunden der Landschaft mit ihrer verbesserten Beleuchtung und Schattenbildung fühlt sich immersiver an, und wir ertappten uns öfter als früher dabei, einfach stehen zu bleiben, um die Aussicht zu genießen. Der grafische Sprung sorgt zudem dafür, dass der Übergang zu Kingdom Come: Deliverance II weniger abrupt wirkt und eine konsistentere visuelle Saga für Heinrichs Reise bietet.
Lebensqualität: Geschwindigkeit, Speicherstände und neue Stimmen
Über die reinen Performance-Gewinne hinaus haben Warhorse und der Partner Deep Silver mehrere willkommene Verbesserungen der Lebensqualität (Quality of Life) implementiert. Kürzere Ladezeiten sind ein Segen, besonders für ein Spiel, das in seiner ursprünglichen Form die Geduld der Spieler mit endlos scheinenden Ladebildschirmen auf die Probe stellte. Wir erinnern uns daran, während einiger dieser Wartezeiten eine Tasse Tee gekocht zu haben – jetzt ist die Wartezeit fast vernachlässigbar, was das Open-World-Erlebnis deutlich flüssiger macht.
Die Möglichkeit, bestehende Spielstände von PlayStation 4 und Xbox One zu importieren, ist eine durchdachte Geste für Veteranen, die ihren alten Fortschritt fortsetzen möchten, ohne von vorne zu beginnen. PlayStation-5-Besitzer erhalten sogar separate Trophäenlisten, was einen neuen Anreiz für Achievement-Jäger bietet. Neue Sprachoptionen in Tschechisch und Japanisch sowie neue Interface- und Untertitelsprachen (Türkisch, Ukrainisch, Brasilianisches Portugiesisch) öffnen Heinrichs Geschichte einem breiteren Publikum und spiegeln die weltweite Beliebtheit des Spiels wider. Für Nutzer des Xbox Game Pass ist die aktualisierte Version sofort verfügbar, was eine exzellente Gelegenheit für neue Spieler darstellt, dieses gefeierte RPG zu erleben.
Der unvollendete Wandteppich: Wo man die acht Jahre noch spürt
Trotz dieser lobenswerten Verbesserungen müssen Spieler bedenken, dass es sich um ein „Quality of Life“-Update handelt und nicht um ein vollwertiges Remaster oder Remake. Obwohl das Spiel auf Konsolen besser aussieht und läuft als je zuvor, kann es seine acht Jahre alte Herkunft nicht ganz verbergen. Charaktermodelle, besonders in Nahaufnahmen während Gesprächen, wirken teilweise immer noch etwas hölzern und statisch, was uns an die technischen Grenzen des Originalspiels erinnert. Während das Next-Gen-Update viele Performance-Probleme löst, kann es die zugrunde liegenden Systeme nicht grundlegend neu entwerfen.
Das Kern-Gameplay bleibt – wenngleich durch 60 FPS reaktionsschneller – dem Original treu. Dies könnten einige als Nachteil empfinden, wenn man es mit den zahlreichen Verbesserungen aus Kingdom Come: Deliverance II vergleicht. Der Nachfolger bot eine deutlich geschliffenere und umfangreichere Erfahrung. Die berüchtigte Lernkurve von KCD1 und der gelegentliche Mangel an Feinschliff können sich auch nach Jahren voller Patches noch frustrierend anfühlen, besonders für Neulinge, die nachsichtigere RPGs gewohnt sind. Während viele den Realismus und das gemächliche Tempo als Stärke betrachten, dürften die oft unerbittlichen Mechaniken – insbesondere das kontroverse Speichersystem (selbst nach den Verbesserungen nach dem Launch) – nicht jedermanns Sache sein. Zudem stellen wir fest, dass sich die Steuerung trotz besserer Framerate auf einem Gamepad immer noch weniger intuitiv anfühlt als mit Tastatur und Maus – eine häufige Beobachtung bei vielen PC-fokussierten Rollenspielen.
Die PC-Version erhielt ebenfalls ein Update (1.9.7), um verschiedene technische Probleme wie Abstürze und unendliche Ladebildschirme zu beheben und Deep-Silver-Accounts zu integrieren. Visuelle Änderungen gibt es hier jedoch nicht, da der PC ohnehin bereits „Ultra-Einstellungen“ bot. Das Konsolen-Update bringt das Erlebnis auf PS5 und Xbox primär auf den Stand, den PC-Spieler seit Jahren genießen.
Fazit: Ist Böhmen einen weiteren Besuch wert?
Für Besitzer von Kingdom Come: Deliverance auf PlayStation 4 oder Xbox One ist dieses Next-Gen-Update ein absoluter Pflicht-Download. Es ist ein kostenloses Upgrade, das das Spielerlebnis dramatisch verbessert – in erster Linie durch die hervorragende 60-FPS-Performance und die sauberere Optik. Dies ist ohne Frage die beste Konsolenversion des Spiels. Rückkehrer werden Heinrichs epische Reise angenehmer und weniger durch technische Frustrationen gebremst erleben.
Für Neueinsteiger, insbesondere für diejenigen, die Kingdom Come: Deliverance II genossen haben und neugierig auf Heinrichs Ursprünge sind, ist jetzt der ideale Zeitpunkt für den Einstieg. Das Spiel ist im Xbox Game Pass verfügbar, was den Zugang erleichtert, und die stark verbesserte Performance macht die herausfordernde, aber belohnende Erfahrung weitaus zugänglicher. Auch wenn Kingdom Come: Deliverance immer noch einige Ecken und Kanten seines ursprünglichen Designs besitzt, hat dieses Update genug davon geglättet, um die Brillanz von Warhorses historischem RPG freizulegen. Wir können den Schritt in Heinrichs Stiefel nur wärmstens empfehlen. Seien Sie jedoch auf eine Reise vorbereitet, die nun zwar flüssiger läuft, aber so kompromisslos und authentisch bleibt wie das mittelalterliche Böhmen selbst.
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