Meine Lesezeichen

Highguard-Debakel: Warum das „Dream-Team“ von Wildlight Entertainment scheitert

Kurzzusammenfassung
Click to expand
Inhaltsverzeichnis

Das "Dream-Team"-Erbe von Wildlight Entertainment galt eigentlich als Qualitätsgarantie. Gegründet von den Köpfen hinter Apex Legends, Titanfall und Call of Duty, trat das Studio bei den Game Awards 2025 mit einer Branchenrelevanz an, die normalerweise den Beginn eines jahrzehntelangen Franchise markiert. Stattdessen ist Highguard weniger als einen Monat nach seinem Start am 26. Januar ein Paradebeispiel dafür, wie schnell ein Live-Service-Schiff Leck schlagen kann.

Das heutige Content-Update, das die Karte "Cloudreach" und das neue "Lockpick"-Werkzeug einführt, erscheint in einer Phase extremer Spannungen. Es wirkt wie ein Lebenszeichen eines Studios, von dem viele dachten, es sei bereits am Ende – doch für ein Spiel, das innerhalb von nur drei Wochen 98 % seiner Steam-Nutzer verloren hat, fühlt es sich wie eine hohle Geste an.

Die Rumpfcrew hinter der "Kerngruppe"

Wildlight bestätigte am 11. Februar 2026 Entlassungen und gab an, man habe sich von "einer Reihe" von Mitarbeitern getrennt. Interne Berichte des ehemaligen Level-Designers Alex Graner und des Lead Tech Artists Josh Sobel zeichnen jedoch ein düstereres Bild: Der Großteil des Teams ist weg. Diese Diskrepanz zwischen der offiziellen Unternehmenslinie und internen Berichten lässt auf ein Studio schließen, das nur noch mit einer Rumpfcrew arbeitet – vermutlich auf Anweisung der Geldgeber von Tencent, um unmittelbare Roadmap-Verpflichtungen zu erfüllen.

Das belastendste Indiz sind nicht die Entlassungen selbst, sondern der Zustand der Infrastruktur. Die offizielle Website, playhighguard.com, ging Mitte Februar offline. Wenn ein Entwickler sein primäres Marketing- und Support-Portal als "geringe Priorität" einstuft, sendet das ein klares Signal an die Community: Die Lichter werden bereits langsam gedimmt.

Cloudreach und der Lockpick: Inhalte im Vakuum

Das Update vom 19. Februar führt "Cloudreach" ein, eine Karte auf einem befestigten Luftschiff, die das Ziel – einen Ankerstein – in einen engen Frachtraum verlegt. Dies ist ein Versuch, die Kritik aufzugreifen, dass die ursprünglichen Kartengrößen schlecht für das initiale 3v3-Format geeignet waren. Obwohl das Spiel nun permanenten 5v5-Modus unterstützt, wirkt dieser Übergang eher reaktiv als geplant.

Das "Lockpick"-Werkzeug ist die interessanteste, wenn auch verwirrendste Neuerung. Es handelt sich um ein Bolzenschussgerät, das Türen und Fenster aus der Ferne deaktivieren soll. Allerdings scheint es intern keine Einigkeit darüber zu geben, was dieses Werkzeug eigentlich genau bewirkt.

Die Verwirrung darüber, ob die Lockpick-Gun Energiefelder erzeugt oder einfach nur Türen öffnet, deutet auf einen Zusammenbruch der Kommunikation hin – eine Folge davon, wenn die ursprünglichen Designer nicht mehr da sind, um ihre eigenen Mechaniken zu erklären.

Extraktionstaktiken: Der Tencent-Faktor

Dass ein Spiel bei 97.249 Spielern gipfelt und innerhalb von 21 Tagen auf unter 1.000 abstürzt, ist für einen "World Premiere"-Titel nahezu beispiellos. Die "äußerst negativen" Bewertungen nannten Performance- und Balancing-Probleme, aber das tieferliegende Problem ist die "Raid"-Mechanik selbst. In Basen einzubrechen, um Bomben zu platzieren, ist ein solides Konzept, aber ohne ein stabiles technisches Fundament haben die Spieler keinen Grund zu bleiben – besonders in einem so gesättigten Hero-Shooter-Markt.

Tencents Rolle als Hauptfinanzier erklärt, warum dieses Update überhaupt existiert. Große Publisher verlangen oft ein Minimum an Support nach dem Launch, bevor ein Projekt offiziell eingestellt werden kann. Die Erweiterung des In-Game-Shops von fünf auf sieben Items wirkt in diesem Kontext zynisch. Es sieht weniger nach "mehr Inhalten" aus, sondern eher nach dem Versuch, die Verluste bei den wenigen verbleibenden Spielern zu minimieren, bevor die Entwickler schließlich in andere Tencent-Projekte abgezogen werden.

TTEK2 Urteil

Es fällt uns schwer, Highguard selbst im aktualisierten Zustand zu empfehlen. Obwohl die Veteranen bei Wildlight sichtlich eine Vision für einen taktischen Raid-Shooter hatten, wurde die Umsetzung von technischen Altlasten und dem Verlust an Know-how nach den Entlassungen überschattet.

Das "Cloudreach"-Update bietet zwar einige Stunden lang etwas Neues, löst aber nicht die Kernprobleme bei Balance und Performance, die 96.000 Spieler in einem Monat vertrieben haben. Wenn Sie zu den wenigen hundert Menschen gehören, die noch spielen, genießen Sie die Moonbruin-Reittiere, solange die Server noch laufen, aber erwarten Sie nicht, dass die Ein-Jahres-Roadmap erfüllt wird.

Die Highguard-Todeswache

  • Für aktive Spieler: Investieren Sie kein Geld mehr in den erweiterten "Trader Flynn"-Laden. Die Offline-Website und die massiven Entlassungen deuten auf eine kurze Lebensspanne der Server hin.
  • Für Neugierige: Warten Sie auf den zweiten kommenden Patch zum Waffen-Balancing. Wenn dieser die Steam-Bewertungen nicht drastisch verbessert, wird das Spiel in den Wartungsmodus versetzt.
  • Fazit: Highguard ist ein "Zombie"-Live-Service-Spiel – es läuft zwar noch, ist aber eigentlich schon tot.

Kommentare

Leseeinstellungen
Schriftgröße
Vergleichstabelle