ASUS-Klarstellung zum „Not EOL“-Status: Schadensbegrenzung in einem Markt ohne Grafikspeicher?
ASUS ist in die Offensive gegangen, um Berichte zu dementieren, wonach die beliebten Grafikkarten GeForce RTX 5070 Ti (16 GB) und RTX 5060 Ti (16 GB) eingestellt oder als „End-of-Life“ (EOL) eingestuft wurden. Diese Klarstellung vom 16. Januar 2026 folgt auf eine verwirrende Situation, in der ein ASUS-PR-Mitarbeiter mehreren namhaften Tech-Outlets – darunter Hardware Unboxed, PCWorld und Tom's Hardware – widersprüchliche Aussagen gab. Dies hatte weltweit Spekulationen über ein baldiges Ende der Karten ausgelöst.
Die offizielle Haltung des Unternehmens ist nun eindeutig: Beide GPUs befinden sich weiterhin in der aktiven Produktion und sind nicht EOL. ASUS betont, dass die aktuellen Lagerengpässe lediglich die Folge „temporärer Lieferbeschränkungen beim Speicher“ seien und nicht auf eine geplante Einstellung der Produkte hindeuten.
Laut ASUS gibt es „keine Pläne, den Verkauf“ beider Modelle zu stoppen. Das Unternehmen arbeite zudem aktiv mit Partnern zusammen, um die Lieferketten wieder zu stabilisieren.
Das PR-Fiasko und die Folgen für die Community
Die ursprünglichen Berichte basierten auf einem Gespräch, das Hardware Unboxed angeblich mit einem ASUS-PR-Vertreter führte. Dieser soll bestätigt haben, dass die RTX 5070 Ti und RTX 5060 Ti (16 GB) tatsächlich EOL seien und keine Testmuster mehr zur Verfügung stünden. Dies löste einen Aufschrei in der Tech-Medienlandschaft aus und sorgte für große Verunsicherung in der PC-Gaming-Community. Auf Plattformen wie Reddit zeigten sich viele Nutzer enttäuscht; einige vermuteten bereits, dass die EOL-Meldungen – auch wenn sie nun widerrufen wurden – die bittere Realität für diese Karten widerspiegeln.
In der anschließenden Klarstellung räumte ASUS ein, dass „einige Medien möglicherweise unvollständige Informationen von einem ASUS-PR-Mitarbeiter erhalten haben“. Man schob die Verwirrung auf interne Kommunikationsfehler. Auch wenn dies eine Erklärung liefert, ist ein solch prominenter PR-Fehler bei der Produktverfügbarkeit für einen großen Hersteller selten ein gutes Aushängeschild.
NVIDIA selbst schaltete sich ebenfalls ein und schlug in die gleiche Kerbe: „Die Nachfrage nach GeForce RTX GPUs ist stark und das Speicherangebot begrenzt.“ Der GPU-Riese fügte hinzu, dass man weiterhin „alle GeForce-SKUs ausliefert, während man mit den Zulieferern zusammenarbeitet, um die Speicherverfügbarkeit zu maximieren.“ Diese Aussage klingt zwar beruhigend, lässt aber viel Spielraum für Interpretationen – „ausliefern“ kann von nennenswerten Mengen bis hin zu homöopathischen Dosen alles bedeuten.
Der wahre Grund: Eine sich verschärfende Speicherkrise
Die Wahrheit liegt unserer Ansicht nach in der schweren globalen Speicherknappheit, die die Branche derzeit fest im Griff hat. Dies ist kein kleiner Schluckauf, sondern ein strukturelles Ungleichgewicht, das vor allem durch den unersättlichen Hunger des KI-Sektors nach High Bandwidth Memory (HBM) getrieben wird. Speicherhersteller priorisieren Berichten zufolge margenstärkere KI- und Server-Produkte. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass weniger Wafer für Konsumenten-Komponenten wie den GDDR7-Speicher dieser Gaming-GPUs reserviert werden.
Berichte deuten darauf hin, dass NVIDIA das Angebot an RTX 50-Serie-GPUs im ersten Halbjahr 2026 aufgrund dieser Engpässe um 30 bis 40 % kürzen könnte. Davon betroffen wären vor allem Mittelklasse-Modelle wie die RTX 5070 Ti und RTX 5060 Ti 16GB. Es kursieren sogar Gerüchte, dass 2026 das erste Jahr seit drei Jahrzehnten ohne den Launch einer neuen NVIDIA-Gaming-GPU sein könnte, da die RTX 50-Serie „Super“ und die nächste RTX 60-Generation verschoben werden könnten, während KI-Beschleuniger Vorrang haben.
Aktuelle Hürden für diese 16-GB-GPUs
- Allgegenwärtige Lieferbeschränkungen: Sowohl die RTX 5070 Ti als auch die RTX 5060 Ti (16 GB) leiden unter reduzierten Produktionsmengen und Verzögerungen bei der Nachlieferung. Das ist kein ASUS-spezifisches Problem, sondern ein branchenweites Defizit bei den Speicherkomponenten.
- Leere Regale: Mehrere Einzelhändler haben für RTX 5070 Ti SKUs in bestimmten Regionen tatsächlich begrenzte oder gar keine Bestände gemeldet. Dies war der Hauptfaktor, der die ursprünglichen Gerüchte befeuerte. Kunden, die diese Karten suchen, finden sie entweder gar nicht oder nur zu Preisen deutlich über der UVP.
- Das PR-Paradoxon: Die interne Fehlkommunikation bei ASUS hat eine Wolke der Ungewissheit hinterlassen. Obwohl offiziell dementiert, passten die EOL-Berichte ins Bild einer ohnehin skeptischen Community.
- Keine Refreshes in Sicht: Da bisher keine neuen Versionen oder Refreshes dieser Modelle angekündigt wurden, verstärkt sich das Gefühl einer ungewissen Zukunft für die 16-GB-Mittelklasse.
ASUS warnte ausdrücklich davor, dass eine „begrenzte Verfügbarkeit nicht als Produktionsstopp oder Produktruhestand interpretiert werden sollte“. Trotz dieses Dementis legt die Marktlage nahe, dass „begrenzt“ auf absehbare Zeit extrem begrenzt bedeuten könnte.
Der von ASUS angekündigte Weg: Können sie liefern?
ASUS gibt an, aktiv an folgenden Punkten zu arbeiten:
- Zusammenarbeit mit Partnern zur Stabilisierung der Versorgung für die RTX 5070 Ti und RTX 5060 Ti (16 GB).
- Fortführung des Produktsupports durch Garantieabwicklung, Treiber-Updates und Kundenservice.
- Die Behauptung, dass Speicherengpässe „temporär“ seien und man an der Lösung von Engpässen bei der Komponentenbeschaffung arbeite.
- Bestätigung, dass die Fertigung nicht gestoppt wurde und die Modelle weiterhin Teil der ASUS-Produkt-Roadmap sind.
Das sind zwar die richtigen Worte, aber wir bleiben skeptisch, was die „temporäre“ Natur der Speicherprobleme angeht. Branchenanalysten gehen davon aus, dass das Wachstum bei DRAM- und NAND-Kapazitäten bis weit in das Jahr 2026 und potenziell 2027 unter den historischen Durchschnittswerten bleiben wird. Da neue Fabrikkapazitäten frühestens Ende 2026 online gehen, steht ASUS (und damit auch NVIDIA) vor einem harten Kampf um eine konstante Warenverfügbarkeit.
Unser Fazit: Mit Vorsicht zu genießen
ASUS hat offiziell bestätigt, dass die RTX 5070 Ti (16 GB) und RTX 5060 Ti (16 GB) nicht eingestellt wurden. Dennoch bleibt das Kernproblem der Speicherversorgung eine massive Herausforderung, die diese Karten zu einer Rarität macht. Für Gamer, die auf diese 16-GB-Optionen gehofft hatten – die oft als Preis-Leistungs-Tipp galten –, ist die Situation frustrierend.
Wer entschlossen ist, eines dieser Modelle zu kaufen, muss mit stark schwankender Verfügbarkeit je nach Händler und Region rechnen. Wir empfehlen, direkt bei offiziellen ASUS-Partnern zu suchen und die Kanäle von ASUS und NVIDIA genau zu beobachten. Wie ein Branchenbeobachter treffend bemerkte: „Der Beweis liegt in der Lieferbarkeit.“ Solange keine stabilen Bestände und Preise zurückkehren, sollten Käufer diesen GPUs mit Skepsis begegnen. Der Status „Not EOL“ ist wenig wert, wenn die Karte im Warenkorb nicht lieferbar ist. Die Marktbedingungen deuten darauf hin, dass 16-GB-VRAM-Karten zunehmend seltener werden könnten, da NVIDIA den Fokus auf KI und möglicherweise Konsumenten-Optionen mit weniger Speicher legt.
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