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KI-Boom fordert Opfer: Nvidia stellt RTX 5070 Ti und 5060 Ti 16GB überraschend ein

KI-Boom fordert Opfer: Nvidia stellt RTX 5070 Ti und 5060 Ti 16GB überraschend ein
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Stand 16. Januar 2026: Der Grafikkartenmarkt muss einen weiteren herben Rückschlag hinnehmen. Branchenberichte bestätigen, dass Nvidia ohne jede offizielle Ankündigung die Reißleine bei der RTX 5070 Ti und der RTX 5060 Ti in der 16-GB-Version gezogen hat. Dieses diskrete Ausphasen ist weit mehr als nur eine Randnotiz in einem Produktkatalog; es ist ein deutliches Signal dafür, wie massiv die Lieferengpässe bei Speicherchips die Dynamik des GPU-Marktes verändern – mit unmittelbaren und besorgniserregenden Folgen für Gamer und den Wettbewerb.

Nvidias stiller Rückzug: Das Ende der 16-GB-Mittelklasse-Karten

Mehrere Quellen aus der Industrie weisen unmissverständlich darauf hin, dass Nvidia sowohl die RTX 5070 Ti als auch die RTX 5060 Ti 16GB in den „End-of-Life“-Status (EOL) versetzt und die Produktion eingestellt hat. Australische Einzelhändler berichten beispielsweise bereits, dass keine neuen Einheiten mehr nachbestellt werden können und die aktuellen Lagerbestände voraussichtlich bis April 2026 vollständig erschöpft sein werden. Umfangreiche Recherchen von Hardware Unboxed, die von Medien wie TechRadar und PC Gamer aufgegriffen wurden, decken sich mit den Berichten von Händlern und Board-Partnern (AIBs). Während Nvidia selbst beharrlich schweigt, lassen diese konsistenten Bestätigungen unabhängiger Quellen kaum Zweifel am Ende dieser Modelle aufkommen. Es ist kritisch zu hinterfragen, warum ein Branchenprimus wie Nvidia eine solch signifikante Marktverschiebung ohne direkte Kommunikation vollzieht und damit Kunden sowie Partner im Ungewissen lässt. Ein vielsagendes Indiz: Der Versuch von Hardware Unboxed, ein Roundup der RTX 5070 Ti zu organisieren, scheiterte an Absagen der Hersteller, die schlichtweg keine Testmuster mehr zur Verfügung stellen konnten – ein de facto Eingeständnis der Produktionseinstellung.

Der KI-Goldrausch schlägt zu: GDDR7-Mangel diktiert das Angebot

Die Ursache für diesen drastischen Schritt liegt in massiven Störungen der Lieferkette bei GDDR7-VRAM. Dieser Speicher ist für moderne Mittelklasse-GPUs mit hoher Kapazität essenziell. Branchenexperten führen die Knappheit darauf zurück, dass sich die GDDR7-Produktion noch in einer frühen Phase befindet und gleichzeitig eine enorme Nachfrage durch den Ausbau von KI-Infrastrukturen in Rechenzentren besteht. Es scheint, als würde Nvidia margenstärkere Produkte wie die RTX 5080 und RTX 5090 sowie die 8-GB-Varianten (wie die RTX 5060 Ti 8GB) strategisch bevorzugen. Diese Entscheidungen sind aus betriebswirtschaftlicher Sicht unter dem aktuellen Speichermangel nachvollziehbar, für den Endkunden jedoch schmerzhaft.

Ein Insider kommentierte trocken, dass „16 GB VRAM in der Mittelklasse angesichts der aktuellen Speicherknappheit keinen Sinn mehr ergeben“. Dieser pragmatischen Sichtweise muss man jedoch widersprechen: Für den Nutzer bedeuten 16 GB oft eine bessere Zukunftssicherheit und Performance in VRAM-intensiven Spielen. Zu behaupten, dies ergebe „keinen Sinn“, ignoriert die Bedürfnisse der Spieler und zeigt eine klare Verschiebung der Prioritäten weg vom Consumer-Markt. Prognosen zufolge wird die KI-Infrastruktur bis 2026 fast 20 % der weltweiten DRAM-Wafer-Kapazitäten beanspruchen. Samsung hat die Preise für ausgewählte Speicherchips seit September bereits um bis zu 60 % erhöht, während der US-Riese Micron sich sogar komplett aus dem Direktkundengeschäft für Speicher zurückgezogen hat. Dieses „RAMageddon“ wird die Versorgungslage voraussichtlich bis mindestens 2027 belasten.

Der Knappheits-Aufschlag: Premium-Preise für Restbestände

Da die Produktion gestoppt wurde, beobachten wir bereits die unvermeidliche Folge: Die Preise für noch verfügbare RTX 5070 Ti- und RTX 5060 Ti 16GB-Modelle steigen rasant an. In den USA und Australien sind die Preise bereits um 10 bis 15 % geklettert, wobei Experten mit Erhöhungen von bis zu 20 % rechnen, sobald die Bestände knapper werden. So stieg der Preis der RTX 5070 Ti in den USA von rund 730 $ auf etwa 830 $. In Kanada listen einige Händler die Karte bereits für bis zu 1.400 CAD (ca. 1.030 USD).

Währenddessen bleibt die RTX 5070 (12GB) zwar in Produktion, allerdings mit „deutlich reduzierten Volumina“. Selbst dieses Modell wird zur ursprünglichen UVP von 549 $ immer seltener; einige Händler verlangen inzwischen zwischen 619 $ und 889 $. Dieser Domino-Effekt verdeutlicht, wie der Speichermangel die gesamte Preisstruktur verzerrt. Es ist ein besorgniserregender Trend, der Konsumenten dazu zwingt, horrende Summen für schwindende Lagerware zu zahlen.

AMDs unverhoffte Chance: RDNA 4 vor der Übernahme der Mittelklasse

Das Vakuum, das Nvidia im 16-GB-Segment hinterlässt, spielt AMD direkt in die Hände. Die kommenden RDNA 4-GPUs, wie die RX 9070 XT, setzen auf GDDR6-VRAM, der aktuell deutlich weniger von Lieferengpässen betroffen ist als GDDR7. Die RX 9070 XT, die am 6. März 2025 auf den Markt kam, bietet 16 GB VRAM zu einem konkurrenzfähigen Preis von 599 $. Die Standard-Version RX 9070 startete ebenfalls mit 16 GB für 549 $.

Diese Karten sind perfekt positioniert, um die Lücke in Nvidias Portfolio zu füllen – besonders für Nutzer, die hohen Grafikspeicher über die reine Raytracing-Performance stellen. Zwar hat AMD mit RDNA 4 beim Raytracing Boden gutgemacht, liegt aber meist noch hinter Nvidia zurück. Die Rasterisierungs-Leistung ist jedoch sehr stark, was Karten wie die RX 9070 XT zu einer echten Alternative macht. Die aktuelle Marktlage zeigt, dass die Speicher-Ökonomie mittlerweile genauso entscheidend für den Wettbewerb ist wie technische Innovationen.

Die neue Realität: Speicher, nicht Leistung, bestimmt die GPU-Zukunft

Für Käufer, die 16 GB VRAM in der Mittelklasse suchen, ist die Lage ernst: Die Vorräte der eingestellten Nvidia-Modelle sind begrenzt und werden vermutlich innerhalb weniger Monate komplett verschwunden sein. Wer eines dieser Modelle besitzen möchte, sollte umgehend handeln. Die Situation unterstreicht einen globalen Trend: Externe Faktoren wie die Speicher-Lieferketten haben mittlerweile einen massiven Einfluss auf Verfügbarkeit und Preisgestaltung, der oft schwerer wiegt als traditionelle Performance-Werte.

Solange der Hunger der Rechenzentren nach GDDR7 und HBM-Speicher unersättlich bleibt, müssen wir uns darauf einstellen, dass Mittelklasse-GPUs vermehrt mit geringeren Speicherkonfigurationen oder älteren Technologien erscheinen. Auch wenn die GDDR7-Produktion „mit der Zeit“ hochgefahren wird, bleibt der Zeitplan vage. Wir betrachten das Versprechen einer schnellen Besserung mit gesunder Skepsis. Dies ist keine vorübergehende Störung, sondern ein fundamentaler Wandel in der Landschaft der PC-Gaming-Hardware.

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