MX Linux ist seit langem ein fester Bestandteil an der Spitze der DistroWatch-Beliebtheitsskala – eine Position, die wir als bedeutenden, wenn auch oft diskutierten Indikator für die Attraktivität einer Distribution anerkennen. Der konsequente Fokus auf Stabilität, Leistung und Benutzerfreundlichkeit hat zweifellos eine treue Fangemeinde geschaffen. Mit der Veröffentlichung von MX Linux 25.1 „Infinity“ am 20. Januar 2026 verfolgt das MX-Linux-Team klar das Ziel, diesen Ruf nicht nur zu festigen, sondern auch eine der am hitzigsten geführten Architektur-Debatten der Linux-Community direkt anzugehen. Aus unserer Sicht ist dies eine Entwicklung von besonderer Bedeutung für alle, die Wert auf ihr bevorzugtes Init-System legen.
Doch erweitert dieses neue „Infinity“ tatsächlich den Horizont, oder schaffen die zugrunde liegenden Komplexitäten neue Hürden für die Anwender? Unserer Einschätzung nach trifft beides zu.
Die Dual-Init-Revolution: Endlich die Wahl, aber wo ist der Haken?
Das Hauptmerkmal von MX Linux 25.1, die umfassende Dual-Init-Unterstützung, markiert einen fundamentalen Wandel. Seit Jahren führt die Linux-Community leidenschaftliche Debatten über die Vorzüge von gegenüber dem traditionelleren . Historisch gesehen neigte MX Linux eher zu . Dass nun beide Systeme in demselben ISO-Image enthalten sind und Nutzer ihr bevorzugtes System direkt im Live-Boot-Menü auswählen können, ist eine mutige und begrüßenswerte Entscheidung im Sinne der Entscheidungsfreiheit.
Diese neue Implementierung löst laut Entwicklern endlich die hartnäckigen Probleme früherer Versionen, die bei der Nutzung von auftraten – insbesondere im Zusammenhang mit und während der Ab- und Anmeldezyklen. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass nun direkt über die Debian-Sicherheitsupdates gewartet wird. Dies entlastet das MX-Linux-Team erheblich und stärkt das Vertrauen in die Systemstabilität. Für Neueinsteiger oder beim Neuaufbau eines Systems ist dies ein phänomenales Feature, das echte Wahlfreiheit bietet, ohne – wie wir hoffen – die Stabilität zu gefährden.
Diese revolutionäre Wahlmöglichkeit hat jedoch einen entscheidenden Haken: Die Dual-Init-Auswahl gilt nur für Neuinstallationen. Bestehende Nutzer von MX Linux 25, die ihr Init-System wechseln möchten, müssen bedauerlicherweise eine komplette Neuinstallation mit den neuen Dual-Init-ISOs durchführen. Das ist ein erheblicher Dämpfer für eine ansonsten exzellente Funktion und wird vermutlich bei treuen Nutzern, die auf einen reibungsloseren Übergang gehofft hatten, für Frust sorgen. Auch Snapshot-ISOs übernehmen standardmäßig das Init-System der Quelle und bieten keine Auswahl im Live-Menü – eine verpasste Chance für mehr Konsistenz und Komfort.
Unter der Haube: Leistungssteigerungen und Hardware-Hürden
MX Linux 25.1 basiert auf dem soliden Fundament von Debian 13.3 „Trixie“ und bringt eine Fülle aktualisierter Pakete, Bugfixes und Sicherheitspatches mit. Die Distribution bietet zwei primäre Kernel-Optionen an: Die Standard-ISOs werden mit dem Linux-Kernel 6.12 LTS ausgeliefert, während die „Advanced Hardware Support“ (AHS) Editionen den neueren Liquorix-Kernel 6.18 LTS nutzen. Wir begrüßen diesen abgestuften Ansatz, der unterschiedliche Nutzerbedürfnisse abdeckt.
In der AHS-Edition finden Nutzer moderner Hardware ihr Glück. Mit verbesserter Unterstützung für Wi-Fi 6E sowie Grafikkarten von AMD und NVIDIA richtet sie sich gezielt an Anwender, die das Maximum aus ihrer Hardware herausholen wollen. Der 6.18 LTS-Kernel verspricht zusammen mit der Mesa 25.3.3-Grafikunterstützung spürbare Performance-Schübe – Berichten zufolge sind in Spielen Steigerungen der Bildrate um bis zu 15 % möglich. Für Gamer oder Profis mit anspruchsvollen Grafik-Workflows bietet die AHS-Variante handfeste Vorteile, die sofort spürbar sein dürften.
Dennoch ist der Weg zum Hardware-Glück nicht für jeden völlig hindernisfrei. In unseren Tests stieß ein älteres Thinkpad W520 mit einer NVIDIA Quadro 1000M auf Probleme mit dem neuen Kernel und konnte das Display nicht mehr aktivieren. Selbst die Installation des proprietären NVIDIA-Treibers in der Version 390 löste das Problem nicht. Während moderne Hardware weitgehend profitiert, haben wir beobachtet, dass Nutzer mit spezifischen älteren oder selteneren Konfigurationen immer noch auf Kompatibilitätshürden stoßen können, insbesondere bei den neuesten Kerneln. Dass keine x86-32-Edition mehr angeboten wird, bedeutet zudem das Aus für Liebhaber ganz alter Hardware.
Desktop-Freuden und Installer-Innovationen: Raffinessen, die zählen
MX Linux wurde schon immer für seine durchdachten Desktop-Konfigurationen gelobt, und 25.1 setzt diese Tradition gekonnt fort. Die Standardumgebung Xfce 4.20 wirkt ungewöhnlich ausgereift. Mit einem vertikalen Panel, dem „Docklike Taskbar“-Plugin und dem Whisker-Menü entsteht ein polierter und effizienter Workflow, den wir als erfrischend produktiv empfinden. Für diejenigen, die Alternativen bevorzugen, stehen KDE Plasma 6.3.6 (wichtig: nur mit systemd) und das leichtgewichtige Fluxbox 1.3.7 zur Verfügung.
Auch der Installer hat sinnvolle Erweiterungen erhalten. Nutzer können nun die ZRAM-Speicherkomprimierung parallel zum konventionellen Swap aktivieren, was besonders für Maschinen mit begrenztem Arbeitsspeicher hervorragend ist – ein Feature, das unserer Meinung nach Standard in mehr Distributionen sein sollte. Eine neue Option, eine bestehende Linux-Installation direkt zu ersetzen, ist ebenfalls praktisch: Sie bewahrt den Inhalt des -Verzeichnisses und spart so massiv Zeit, auch wenn die Benutzerkonten neu angelegt werden müssen. Die aktualisierten MX Tools basieren nun auf Qt6 und wirken schneller und moderner. Zudem vereinfacht die Vorinstallation von Nala als Paketmanager sowie die Unterstützung des -Repository-Formats die Systempflege für alle Nutzer spürbar.
Das Upgrade-Dilemma: Ein Stolperstein für treue Nutzer
Während Neuinstallationen bestens versorgt sind, stehen bestehende MX-Linux-Nutzer, die von früheren Versionen auf 25.1 wechseln wollen, vor einer Herausforderung. Direkte Upgrades von Version zu Version werden offiziell nicht unterstützt. Es gibt zwar einen Migrationsprozess (der beibehält, aber die Neuerstellung von Konten erfordert) und ein dokumentiertes Verfahren für technisch versierte Anwender, aber ein müheloses Ein-Klick-Erlebnis ist es nicht. Diese Entscheidung wirkt wie ein deutliches Versäumnis für eine Distribution, die so viel Wert auf Benutzerfreundlichkeit legt.
Darüber hinaus garantiert das Tool „MX User Installed Packages“ keine hundertprozentige Erfolgsquote bei der Neuinstallation von Programmen, da sich Paketnamen zwischen den Debian-Releases ändern können. Dies bürdet erfahrenen Nutzern eine Last auf, die sich eventuell öfter als gewünscht bei einer kompletten Neuinstallation wiederfinden – besonders, wenn sie Wert auf das neue Dual-Init-Feature legen. Dieser Mangel an einem nahtlosen Upgrade-Pfad ist aus unserer Sicht der frustrierendste Aspekt dieser ansonsten starken Veröffentlichung.
Das TTEK2-Fazit: Das Versprechen von „Infinity“ und seine Grenzen
MX Linux 25.1 „Infinity“ ist eine Version, die die Grenzen dieser populären Distribution spürbar verschiebt. Die Dual-Init-Unterstützung ist das unbestrittene Highlight für alle, die Wert auf Wahlfreiheit legen, und bietet eine ausgereifte, stabile Erfahrung ohne die alten -Probleme. In Kombination mit der soliden Debian 13.3-Basis und den Performance-Schüben der AHS-Kernel ist sie sowohl für Neulinge als auch für erfahrene Enthusiasten äußerst attraktiv. Der Ruf für Stabilität, Geschwindigkeit und ein schlankes System bleibt gewahrt. Wir sind der Meinung, dass diese Version den Kernwerten von MX Linux voll gerecht wird.
Die Einschränkungen für Bestandskunden beim Wechsel des Init-Systems, das Fehlen direkter Upgrades und punktuelle Hardware-Zicken auf alten Geräten bedeuten jedoch, dass es keine völlig makellose Erfahrung ist. Das „Infinity“ im Namen wirkt angesichts dieser praktischen Beschränkungen etwas weniger grenzenlos.
Für jeden, der eine neue Linux-Installation in Erwägung zieht – insbesondere für diejenigen, die die Wahl beim Init-System schätzen oder neueste Hardware-Unterstützung benötigen – ist MX Linux 25.1 „Infinity“ eine klare Empfehlung. Es hält sein Versprechen von Stabilität, Leistung und Flexibilität. Bestehende Nutzer von MX Linux 25 müssen abwägen, ob die Vorteile der neuen Funktionen den Aufwand einer Neuinstallation wert sind. Doch für einen Neuanfang bietet MX Linux 25.1 eine „Unendlichkeit“ an Möglichkeiten.
Empfehlung: Sehr empfehlenswert für Neuinstallationen und Nutzer, die maximale Flexibilität beim Init-System suchen.
MX Linux 25.1 „Infinity“ wird bis August 2028 unterstützt, was eine lange und stabile Lebensdauer für das gewählte Setup garantiert.
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