In einer Geschichte, die direkt aus der fantastischen Erzählung eines Videospiels stammen könnte, hielten irakische Zollbeamte kürzlich die Reise eines Expedition Journal Artbooks aus dem gefeierten Titel Clair Obscur: Expedition 33 auf. Das limitierte Sammlerstück wurde Berichten zufolge beschlagnahmt, nachdem die Beamten das aufwendig gestaltete Buch fälschlicherweise für ein echtes antikes Artefakt hielten – ein Vorfall, der in der Gaming-Welt gleichermaßen für Belustigung wie für Verblüffung sorgte.
Das Artbook, ein begehrter Teil des „Monolith Sets“ des Spiels, war auf dem Weg zum Reddit-Nutzer Ahmed15252, als seine Reise unterbrochen wurde. Beamte kamen beim Öffnen des Pakets offenbar zu dem Schluss, dass das 48-seitige Hardcover-Werk „möglicherweise antik“ sei und „Zeichnungen von monetärem Wert“ enthalte. Während man die Absicht, das kulturelle Erbe zu schützen, durchaus würdigen kann, lässt die Vorstellung, dass ein brandneues Videospiel-Sammlerstück für einen archäologischen Schatz gehalten werden konnte, doch aufhorchen.
Bürokratische Odyssee: Der unerwartete Umweg des Artbooks
Von Ahmed15252 geteilte Dokumente beschreiben eine recht umständliche Route für das vermeintlich antike Artefakt. Der irakische Zoll leitete den Gegenstand zur eingehenden Prüfung an das Ministerium für Kultur und Altertümer des Landes weiter. Von dort aus wurde es an das Direktorat für Untersuchung und Ausgrabung geschickt, bevor es schließlich beim Technischen Komitee des Irakischen Museums landete. Dieses Komitee steht nun vor der Aufgabe, offiziell zu bestätigen, dass es sich bei dem Gegenstand tatsächlich um ein modernes Artbook zu einem Videospiel handelt und nicht um ein neu entdecktes historisches Relikt.
Das Design des Expedition Journal Artbooks, entworfen von Sandfall Interactive, dem Entwickler hinter Clair Obscur: Expedition 33, ist bewusst evokativ gestaltet. Es soll die Essenz eines „zeitgezeichneten Logbuchs aus dem goldenen Zeitalter der Archäologie“ einfangen, komplett mit detaillierten, jenseitigen Designs und Symbolen aus dem Universum des Spiels. Wir erkennen die künstlerische Leistung hier an; den Entwicklern ist es offensichtlich gelungen, ihr Ziel der Authentizität zu erreichen. Dennoch wirft die Tatsache, dass der Zoll ein Paket öffnen und vermutlich andere offensichtlich moderne Gegenstände wie ein Steelbook-Case und eine Spieluhren-Statuette ignorieren musste, um ausgerechnet dieses Buch als verdächtig einzustufen, Fragen zum ursprünglichen Bewertungsprozess auf. Viele in der Community wiesen darauf hin, dass die modernen Bindetechniken des Buches, das glänzende Papier, sichtbare Urheberrechtshinweise und der englische Text sofortige Hinweise auf den Ursprung hätten sein müssen.
Ein Spiel, das Preise abräumte – und den Zoll täuschte
Clair Obscur: Expedition 33, veröffentlicht von Kepler Interactive, erschien am 24. April 2025 und stieg in kürzester Zeit zu einem kulturellen Phänomen auf. Das Spiel räumte im Jahr 2025 nicht nur zahlreiche „Game of the Year“-Awards ab – darunter beeindruckende neun von dreizehn Nominierungen bei den The Game Awards 2025 (ein neuer Rekord für die meisten Auszeichnungen eines einzelnen Spiels) – sondern sicherte sich auch sechs Trophäen bei den Golden Joystick Awards 2025. Die kritische Anerkennung geht sogar noch weiter: Den Entwicklern von Sandfall Interactive wurde vom französischen Kulturministerium der Ritterorden verliehen, und der französische Präsident Emmanuel Macron lobte den Erfolg des Spiels öffentlich.
Das Expedition Journal Artbook war ein zentraler Bestandteil der speziellen Sammlereditionen, insbesondere des Monolith Sets und der Lumiere Edition, deren Auslieferung im Januar 2026 begann. Beide Editionen sind seither ausverkauft, was das Artbook zu einem seltenen und begehrten Objekt macht, das nun primär über teure Wiederverkaufsmärkte zugänglich ist. Das Monolith Set enthält zudem ein Steelbook-Case für das Spiel sowie eine Spieluhren-Statuette. Diese enorme Nachfrage nach Sammlerstücken unterstreicht den immensen Erfolg des Spiels und verleiht der Tatsache, dass sein Artbook für eine Antiquität gehalten wurde, eine weitere Ebene der Ironie.
Der humorvolle Umgang der Community und das Schweigen der Entwickler
Trotz der offensichtlichen Unannehmlichkeiten hat der betroffene Fan, Ahmed15252, den Vorfall mit Gelassenheit und erfrischendem Humor aufgenommen. Sein Kommentar „10/10 Erfahrung, werde definitiv aus Versehen wieder Geschichte importieren“ bringt die bizarre Natur der Situation und die allgemeine Stimmung in der Community perfekt auf den Punkt. Man kann nicht anders, als mitzuschmunzeln; es ist ein Beweis dafür, wie fesselnd (und verwirrend) Merchandise zu Videospielen sein kann.
Bis Mittwoch, den 11. Februar 2026, hat Sandfall Interactive noch keine offizielle Stellungnahme zu diesem ungewöhnlichen Vorfall abgegeben. Während wir die Notwendigkeit offizieller Kanäle verstehen, würde eine spielerische Anerkennung seitens der Entwickler zweifellos bei einer Fangemeinde gut ankommen, die bereits jetzt große Freude an dieser einzigartigen Bestätigung ihrer künstlerischen Vision findet.
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