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Intel Xeon 600 offiziell: 86 P-Cores und Granite-Rapids-Power für Workstations

Intel Xeon 600 offiziell: 86 P-Cores und Granite-Rapids-Power für Workstations
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Inhaltsverzeichnis

Intels Xeon 600 Serie: Ein neuer Workstation-König oder nur ein Verfolgungsmanöver?

Intel hat offiziell seine neue Xeon 600 Prozessorserie für Client-Workstations vorgestellt – ein Schritt, den wir als bedeutendes, wenn auch längst überfälliges Update für die professionelle High-End-Plattform des Unternehmens betrachten. Durch die Nutzung der "Granite Rapids"-Technologie, die bisher dem Serverbereich vorbehalten war, bietet dieses neue Lineup mit 11 verschiedenen Prozessoren und bis zu 86 Performance-Kernen ordentlich Leistung. Intel verspricht damit erhebliche Zuwächse bei anspruchsvollen Workloads in den Bereichen Engineering, KI-Entwicklung, Data Science und Medienproduktion.

Mit diesem Launch konsolidiert Intel zudem seine Marken Xeon W-2x00 und W-3x00 unter der einheitlichen Xeon 600 Serie. Dies ist ein lobenswerter Versuch, das bisher recht unübersichtliche Angebot an professionellen Workstation-CPUs zu straffen. Die neuen Chips sind für den Einsatz mit dem neuen Intel W890 Chipsatz konzipiert und sollen ab Ende März 2026 ausgeliefert werden. Sie werden sowohl als Einzelkomponenten als auch integriert in Systemen namhafter Partner wie Dell, HP, Lenovo und Supermicro erhältlich sein.

Der Kern der Sache: Redwood Cove+ und die P-Core-Philosophie

Im Inneren basieren die Prozessoren der Xeon 600 Serie auf Intels Redwood Cove+ P-Core-Architektur und werden im Intel-3-Verfahren gefertigt. Besonders interessant ist, dass diese Workstation-CPUs – im Gegensatz zu vielen Consumer-Produkten von Intel – ausschließlich Performance-Kerne (P-Cores) mit Hyper-Threading nutzen und komplett auf Effizienz-Kerne (E-Cores) verzichten. Für professionelle Workloads, bei denen eine konsistente und vorhersehbare Leistung entscheidend ist, ergibt dieser reine P-Core-Ansatz absolut Sinn, da rohe Rechenleistung über ein vielschichtiges Kerndesign gestellt wird.

Die Produktpalette ist breit gefächert und reicht vom Einstiegsmodell Xeon 634 mit 12 Kernen für 499 US-Dollar bis hin zum Flaggschiff, dem Intel Xeon 698X Prozessor, der mit stolzen 7.699 US-Dollar zu Buche schlägt. Der Xeon 698X ist ein Monster mit 86 Kernen und 172 Threads, das einen Basistakt von 2 GHz, einen Turbo-Takt von 4,8 GHz und einen All-Core-Turbo von 3 GHz bietet. Zudem verfügt er über beachtliche 336 MB L3-Cache, eine Basis-TDP von 350 Watt und eine maximale Turbo-Leistung von 420 Watt.

Einige Modelle, darunter der 698X und der 64-Kern-Prozessor 696X (5.599 $), basieren auf XCC-Dies (Extreme Core Count) mit zwei Compute-Tiles pro Package, was Intels Strategie zur Skalierung der Leistung verdeutlicht. Mittelklasse- und andere High-End-Modelle wie der 678X mit 48 Kernen (3.749 $) oder der 658X mit 24 Kernen (1.699 $) nutzen HCC-Dies (High Core Count). Während viele SKUs als Boxed-Einzelhandelsversionen verfügbar sein werden, sind einige – einschließlich des Top-Modells 698X – primär für die OEM-Integration vorgesehen, was den direkten Zugang für Endverbraucher zu den leistungsstärksten Modellen einschränken könnte. Enthusiasten wird es freuen, dass die meisten Prozessoren der Serie für Übertaktung freigeschaltet sind – eine Seltenheit im Xeon-Bereich –, wobei die Einstiegsmodelle 656, 654, 638, 636 und 634 gesperrt bleiben.

Ein Blick auf die Spitzenklasse: Intel Xeon 698X vs. AMD Threadripper PRO 7995WX

Um Intels Strategie wirklich zu verstehen, muss man einen Blick auf den Wettbewerb werfen. Obwohl Intel direkte Vergleiche mit der AMD Threadripper Pro 9000 Serie auffällig vermied, sprechen die Spezifikationen für sich.

Der Threadripper PRO 7995WX, das Flaggschiff von AMD, bietet 96 Kerne und 192 Threads, basiert auf einem fortschrittlicheren 5nm-Verfahren (Zen 4 Architektur) und verfügt über einen größeren L3-Cache von 480 MB. Zudem weist er höhere Basis- und Boost-Taktraten auf. Obwohl Intels Preisgestaltung für den 698X mit 7.699 $ durchaus konkurrenzfähig ist – insbesondere im Vergleich zum oberen Ende der Threadripper Pro 7995WX-Preise (die über 10.000 $ liegen können) –, deuten die Kernanzahl und der potenziell überlegene Fertigungsprozess von AMD darauf hin, dass Intel hart arbeiten muss, um die Dominanz im absoluten High-End-Bereich zu beanspruchen. In der Community wurde bereits die "komplette Abwesenheit von Threadripper- / Epyc-Vergleichen" im Marketing kritisiert; man spekuliert, dass ein direkter Vergleich für Intel nicht vorteilhaft ausgefallen wäre, insbesondere bei der Single-Core-Performance.

Speicher und Konnektivität: Bandbreite für intensivste Workloads

Die Xeon 600 Plattform bringt nennenswerte Verbesserungen bei den Speicher- und I/O-Kapazitäten. Alle SKUs unterstützen nun DDR5-6400 Geschwindigkeiten bei einem DIMM pro Kanal (1 DPC). Für die obere Hälfte der Serie (Prozessoren mit 28 Kernen und mehr) hat Intel Unterstützung für Multiplexed Rank DIMMs (MRDIMM) hinzugefügt, was die effektiven Speichergeschwindigkeiten auf bis zu DDR5-8000 anhebt. Die Plattform unterstützt eine maximale Speicherkapazität von 4 TB und behält wichtige Enterprise-Funktionen wie RAS (Reliability, Availability, Serviceability) und ECC-Unterstützung bei.

Diese Fortschritte im Speicherbereich sind entscheidend für datenintensive Anwendungen. Schnellerer Speicher bedeutet weniger Wartezeit auf Daten, was sich direkt auf komplexe Simulationen, massive Datensätze in der KI und hochauflösende Medienbearbeitung auswirkt. Der Nachteil ist jedoch, dass die MRDIMM-Unterstützung zwar eine höhere Bandbreite bietet, dies jedoch auf Kosten der maximalen Speicherkapazität und der aktuellen Verfügbarkeit gehen könnte. Darüber hinaus sind die für diese Plattformen erforderlichen High-End-DDR5-RDIMMs extrem teuer: Ein 1-TB-Kit aus DDR5-6400 RDIMMs kostet schätzungsweise rund 28.000 $. Dies ist ein erheblicher Faktor für jeden, der eine Workstation mit hoher Kapazität plant.

Die Konnektivität ist ebenso beeindruckend: Bei unterstützten Modellen stehen bis zu 128 PCIe Gen 5.0 Lanes direkt von der CPU zur Verfügung. Dies bietet immense Bandbreite für mehrere Hochgeschwindigkeits-Speicherlösungen, professionelle GPUs und andere Beschleuniger, wodurch Multi-GPU-Setups oder umfangreiche NVMe-Speicher-Arrays problemlos möglich sind. Die Integration von CXL 2.0 ist ein weiterer großer Pluspunkt, da sie fortschrittliches Memory Pooling ermöglicht. Für KI- und Deep-Learning-Experten ist die Integration von Intel AVX-512 und AMX (Advanced Matrix Extensions) willkommen, wobei AMX nun die Datentypen Integer8, Bfloat16 und FP16 unterstützt – entscheidend für die Beschleunigung vielfältiger KI-Workloads. Wie für eine professionelle Plattform zu erwarten, sind Intel vPro-Technologien enthalten, die hardwaregestützte Sicherheits- und Verwaltungsfunktionen für Unternehmen bieten.

Benchmarks: Intels Darstellung und unsere Interpretation

Die von Intel bereitgestellten Leistungsvergleiche mit dem Vorgänger, dem 60-Kern-Prozessor Xeon W9-3595X, zeigen vielversprechende Verbesserungen zwischen den Generationen. Der neue 86-Kern-Prozessor Xeon 698X erreicht:

  • Cinebench 2026: Bis zu 9 % höhere Single-Thread-Leistung und bis zu 61 % höhere Multi-Thread-Leistung.
  • Blender Junkshop Render: 74 % schnellere Fertigstellung.
  • KI-gestütztes Upscaling (Topaz Labs Video Upscaler): 29 % schneller.
  • SPEC Workstation 4: Zeigt Verbesserungen von 17 % bei KI-Workloads, 22 % in der Kategorie Energie, 61 % bei Finanzdienstleistungen, 19 % in den Biowissenschaften und 10 % im Bereich Medien und Unterhaltung.

Obwohl diese Zahlen im Vergleich zum Vorgänger positiv sind, bleibt eine gewisse Skepsis hinsichtlich der fehlenden direkten Vergleiche mit AMDs Threadripper Pro-Lineup. Leistungsdaten erzählen immer nur eine selektive Geschichte, und ohne einen aktuellen Rivalen im Vergleich ist es schwer, die wahre Wettbewerbsposition einzuschätzen. Man fragt sich, ob Intel wirklich an der Spitze liegt oder lediglich eine Lücke schließt. Reaktionen aus der Community deuten darauf hin, dass Intel den Fokus möglicherweise auf die Preisgestaltung bei den kleineren Modellen und ein besseres Kern-pro-Dollar-Verhältnis bei bestimmten SKUs gegenüber Threadripper 9000 gelegt hat, was für Unternehmen ein starkes Verkaufsargument sein kann.

Intel arbeitet zudem mit Ocbase zusammen, um die Unterstützung der Xeon 600 Prozessorfamilie in die OCCT-App zu integrieren, was dynamische Overclocking-Steuerung, Plattform-Telemetrie und Stabilitätstests ermöglicht. In einer Partnerschaft mit ASUS nutzte Intel einen Xeon 698X Prozessor und ein ASUS Pro WS W890E-SAGE SE Mainboard, um mehrere neue Übertaktungsweltrekorde in 10 Benchmarks aufzustellen. Dieser Fokus auf Overclocking, der in der Xeon-Welt traditionell weniger verbreitet ist, ist eine spannende Entwicklung und könnte Nutzern, die an die Grenzen gehen wollen, einen Vorteil verschaffen.

Die W890-Plattform: Fundament für eine neue Ära

Die neuen Xeon 600 Prozessoren laufen auf dem Intel W890 Chipsatz, der moderne Funktionen wie Wi-Fi 7 Unterstützung einführt. Der Chipsatz ist über einen DMI Gen4 x8 Link mit der Host-CPU verbunden, was eine Bandbreite von fast 16 GB/Sekunde bietet – ausreichend für die integrierten Peripheriegeräte. Mainboards auf Basis des W890-Chipsatzes werden voraussichtlich 1-Gbit/s- oder 2,5-Gbit/s-LAN-Ports bieten.

Giga Computing hat bereits zwei neue Workstation-Mainboards der Enterprise-Klasse angekündigt, das GIGABYTE MW94-RP0 und das MW54-HP0. Das MW94-RP0 zielt auf das oberste Segment ab und unterstützt bis zu 86 CPU-Kerne, 8-Kanal-Speicher (einschließlich MRDIMMs), sage und schreibe 128 PCIe 5.0 Lanes mit sechs Gen5 x16 Erweiterungssteckplätzen sowie zwei 10-Gbit/s-LAN-Ports. Das MW54-HP0 ist für Modelle mit 4-Kanal-Speicher und 80 PCIe 5.0 Lanes konzipiert und bietet fünf Gen5 x16 Erweiterungssteckplätze sowie zwei 2,5-Gbit/s-LAN-Ports. Wir erwarten robuste W890-Mainboard-Angebote auch von anderen Partnern wie Asus und Supermicro.

Wichtig ist eine subtile, aber entscheidende Unterscheidung: Während der Xeon 600 den LGA4710-2 Sockel mit den Granite Rapids Server-SKUs teilt, benötigen die Workstation-Teile zwingend den W890 Chipsatz zum Booten. Zudem sind bestimmte Beschleuniger wie IAA, QAT und DLB auf Workstation-Boards deaktiviert, während DSA (Data Streaming Accelerator) aktiviert bleibt. Diese Segmentierung stellt eine klare Marktpositionierung zwischen Server- und Workstation-Plattformen sicher.

Preise und Verfügbarkeit: Premium-Leistung zum Premium-Preis

Die Prozessoren der Intel Xeon 600 Serie liegen preislich zwischen 499 $ für den 12-Kern Xeon 634 und 7.699 $ für den 86-Kern Xeon 698X. Sie werden ab Ende März 2026 sowohl als einzelne Chips als auch in Komplettsystemen erhältlich sein. Hardware-Partner für den Launch sind unter anderem Dell, HP, Lenovo, Supermicro, Boxx und Puget Systems. Die Einstiegspreise sind durchaus attraktiv, wenn man bedenkt, dass AMD derzeit im Bereich der Workstation-CPUs mit geringerer Kernzahl nichts Vergleichbares in dieser Preisklasse anbietet.

Unsere wichtigsten Überlegungen

Obwohl die Xeon 600 Serie zweifellos bedeutende Fortschritte für Intels Workstation-Portfolio bringt, sollten potenzielle Käufer diesen Launch unter Berücksichtigung einiger kritischer Faktoren betrachten.

Erstens basieren die Prozessoren auf dem Intel-3-Verfahren, das zwar eine Verbesserung darstellt, aber nicht Intels aktuellste Fertigungsstufe (wie das neuere Intel 1.8A Verfahren) ist. Im Gegensatz dazu nutzt AMDs konkurrierende Threadripper Pro 7000WX Serie ein 5nm-Verfahren (Zen 4 Architektur), was oft Vorteile bei der Energieeffizienz und der IPC (Instruktionen pro Takt) impliziert.

Zweitens – und das ist vielleicht unser größter Kritikpunkt – ist Intels Entscheidung, keine offiziellen Leistungsvergleiche mit AMDs konkurrierender Ryzen Threadripper Pro 9000 Serie vorzulegen. Stattdessen entschied man sich für Vergleiche mit eigenen, älteren Xeon- und Core-Chips. Dieses strategische Ausweichen lässt uns fragen, wie sich die neuen Xeons wirklich gegen ihren direkten Rivalen schlagen, insbesondere bei Workloads, in denen Threadripper Pro historisch glänzen konnte. Die Community hat dies bemerkt und spekuliert über potenzielle Leistungslücken, insbesondere bei Single-Thread-Aufgaben.

Zudem kann die Leistung je nach spezifischem Workload stark variieren; der Xeon 698X blieb beispielsweise in einigen Produktdesign-Tests innerhalb von SPEC Workstation 4 hinter seinem Vorgänger zurück. Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, die CPU exakt auf das eigene Anwendungsprofil abzustimmen, anstatt sich nur auf allgemeine Benchmark-Zahlen zu verlassen.

Darüber hinaus bietet der MRDIMM-Support zwar eine höhere Bandbreite, könnte aber die maximale Speicherkapazität einschränken. Wie bereits erwähnt, sind die Kosten für die benötigten High-End-DDR5-RDIMMs astronomisch, was die Gesamtsystemkosten massiv in die Höhe treiben kann. Nutzer, die eine Übertaktung in Erwägung ziehen, sollten sich schließlich bewusst sein, dass dies die Garantie hinfällig machen und die Stabilität sowie die Lebensdauer der Komponenten beeinträchtigen kann. Wie immer gilt: Vorsicht ist geboten, die Nutzung erfolgt auf eigene Gefahr.

Häufig gestellte Fragen

Der Intel Xeon 698X kostet 7.699 $ und verfügt über 86 Performance-Kerne mit 172 Threads. Er hat eine Basisfrequenz von 2 GHz, eine Turbo-Frequenz von 4,8 GHz, 336 MB L3-Cache und eine maximale Turbo-Leistung von 420 Watt.

Diese Prozessoren sind für den Intel W890-Chipsatz konzipiert und bieten bis zu 128 PCIe-Gen-5.0-Lanes direkt von der CPU. Die Plattform unterstützt außerdem CXL 2.0 und Intel vPro-Technologien für Sicherheit und Verwaltung in Unternehmen.

Die Plattform unterstützt eine maximale Speicherkapazität von 4 TB bei DDR5-6400-Geschwindigkeiten. Modelle mit 28 oder mehr Kernen unterstützen zudem Multiplexed Rank DIMMs (MRDIMM), welche die effektive Speichergeschwindigkeit auf bis zu DDR5-8000 erhöhen können.

Intels 86-Kern-Prozessor 698X liegt preislich bei 7.699 $, während der AMD Threadripper PRO 7995WX mit 96 Kernen schätzungsweise zwischen 6.870 $ und 10.845 $ kostet. Der AMD-Prozessor verfügt über einen größeren L3-Cache von 480 MB und höhere Boost-Taktraten von 5,1 GHz im Vergleich zu Intels 4,8 GHz.

Intel setzt auf eine reine P-Core-Architektur mit Hyper-Threading, um eine konsistente und vorhersehbare Leistung für professionelle Engineering- und KI-Workloads zu gewährleisten. Dieses Design priorisiert rohe Rechenleistung gegenüber den Hybrid-Kern-Designs, die in einigen Consumer-Produkten zu finden sind.

Die Auslieferung der Prozessoren soll Ende März 2026 beginnen. Sie werden als eigenständige Boxed-Einheiten sowie als Teil integrierter Workstation-Systeme von Herstellern wie Dell, HP, Lenovo und Supermicro verkauft.

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