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Intel Core 9 273PQE: Die 12-P-Core-CPU, die (fast) niemand kaufen kann

Intel Core 9 273PQE: Die 12-P-Core-CPU, die (fast) niemand kaufen kann
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Inhaltsverzeichnis

Das Auftauchen des Intel Core 9 273PQE in den PassMark-Datenbanken markiert einen höchst ungewöhnlichen Moment in der Endphase des LGA 1700-Sockels. Auf dem Papier verkörpert dieser Chip genau das, was sich viele Enthusiasten seit Jahren wünschen: Eine Hochleistungseinheit, die komplett auf Efficiency-Cores (E-Cores) verzichtet und stattdessen ausschließlich auf die rohe Kraft von Performance-Cores (P-Cores) setzt.

Doch werfen wir einen Blick auf die Benchmarks und die technischen Barrieren, die Intel um dieses „Bartlett Lake-S“-Silizium errichtet hat, wird schnell klar: Dies ist kein verspätetes Geschenk an die Gaming-Community, sondern ein spezialisiertes Werkzeug für eine sehr spezifische industrielle Nische.

Der Traum für P-Core-Puristen (mit einem Haken)

Der Core 9 273PQE bildet die Speerspitze der Bartlett Lake-S-Familie und bietet 12 Performance-Kerne bei insgesamt 24 Threads. Für Nutzer, die der Hybrid-Architektur der 12., 13. und 14. Generation aufgrund von Scheduling-Problemen oder dem Overhead des Thread-Directors skeptisch gegenüberstanden, klingt ein reines 12-P-Core-Design nach dem ultimativen Gaming-Antrieb.

Die maximalen Taktraten sind mit bis zu 5,9 GHz im Turbo-Modus durchaus aggressiv. Damit erreicht der Chip im PassMark-Single-Thread-Test beachtliche 4.655 Punkte – was etwa 4 % über dem Core i7-14700K liegt. Während die Single-Core-Leistung also überzeugt, sorgt das Fehlen der E-Cores für ein deutliches Defizit bei Multi-Threaded-Anwendungen.

Dieser Leistungsunterschied offenbart einen klaren Kompromiss: Der 273PQE liegt in der Multi-Threaded-Performance rund 22 % hinter dem 14900K zurück. Intel setzt darauf, dass Kunden im Edge- und Embedded-Bereich mehr Wert auf berechenbare Hochleistungskerne legen als auf den maximalen Durchsatz, den ein Schwarm kleinerer Effizienzkerne bietet. Die Markteinführung zielt daher primär auf unternehmenskritische industrielle Anwendungen ab und nicht auf den klassischen Einzelhandel.

Die BIOS-Barriere: Warum man ihn (noch) nicht kaufen kann

Trotz der mechanischen Kompatibilität zum LGA 1700-Sockel ist der Traum, einen 273PQE einfach in ein bestehendes Z790-Mainboard einzusetzen, derzeit zum Scheitern verurteilt. Berichte aus der Community von Overclock.net bestätigen, dass diese Chips auf herkömmlichen Consumer-Boards den Dienst verweigern.

Das Problem ist dabei nicht die Hardware selbst, sondern die fehlende BIOS- und Microcode-Unterstützung. Intel hat diese Prozessoren strikt für den Embedded- und Edge-Markt reserviert. Solange Mainboard-Hersteller wie ASUS oder MSI keine speziellen (und offiziell nicht unterstützten) Beta-BIOS-Updates für ihre Enthusiasten-Boards veröffentlichen – was ASRock bereits als derzeit unwahrscheinlich bezeichnet hat –, bleibt der 273PQE für Privatnutzer ein Phantom.

Auch die Namensgebung wirft Fragen auf. Intel nutzt die Bezeichnung „Core 9“ für dieses Modell, während das Label gleichzeitig für den Core 9 270H im Mobile-Sektor verwendet wird. Der 270H, der auf Raptor Lake Refresh basiert, liegt in der Single-Thread-Leistung etwa 11 % hinter dem 273PQE, obwohl beide in derselben Namenshierarchie stehen. Das Ergebnis ist ein unübersichtliches Branding, bei dem „Core 9“ nicht mehr automatisch das absolute Leistungsmaximum über alle Segmente hinweg garantiert.

Künstliche Abgrenzung und das Ende von LGA 1700

Die Entscheidung von Intel, Bartlett Lake-S dem DIY-Markt vorzuenthalten, lässt tief blicken. Mit der Veröffentlichung von „Arrow Lake Refresh“ für den neuen Sockel LGA 1851 zwingt Intel Enthusiasten zum Plattformwechsel, wenn sie Zugriff auf die neuesten Architekturen wollen.

Der 273PQE wirkt wie eine verpasste Gelegenheit, dem Sockel LGA 1700 einen legendären Abschied zu bescheren. Ein Chip mit 12 reinen P-Kernen wäre ein faszinierendes Experiment für High-Refresh-Rate-Gaming gewesen, wo E-Cores oft nur geringen Mehrwert bieten. Stattdessen dient er als Erinnerung daran, wie strikt Intel seine Hardware-Segmente voneinander trennt.

Auch der Preispunkt von 589 US-Dollar unterstreicht dies: Es handelt sich hierbei nicht um eine budgetfreundliche Lösung, um die Lebensdauer eines alten Mainboards zu verlängern, sondern um eine teure Spezialkomponente, die für industrielle Stabilität und ECC-Speicherunterstützung in Serverumgebungen konzipiert wurde.

TTEK2 Urteil

Der Intel Core 9 273PQE ist ein faszinierendes Stück Silizium, das in einem goldenen Käfig der Konzernpolitik gefangen ist. Während das 12-Kern-Design ohne E-Cores genau das ist, wonach ein lautstarker Teil der Hardware-Community verlangt hat, ist die Realität für den Durchschnittsnutzer ernüchternd.

Das Fazit:
Wenn Sie Gamer oder Heimanwender sind, kaufen Sie diesen Chip nicht über Drittanbieter oder den Graumarkt in der Erwartung eines einfachen Upgrades. Ohne ein spezielles Industrie-Mainboard oder eine massive (und unwahrscheinliche) Änderung der BIOS-Politik der großen Hersteller erhalten Sie lediglich einen 589 US-Dollar teuren Briefbeschwerer.

Unserer Meinung nach agiert Intel hier zu vorsichtig. In einer Ära, in der AMD den AM4-Sockel noch Jahre nach seinem eigentlichen Ruhestand unterstützt, hätte Intel mit Bartlett Lake-S eine ähnliche Geste zeigen können. Indem sie diese 12-Kern-Bestie hinter dem „Embedded“-Label verstecken, machen sie eine potenziell ikonische CPU zu einer bloßen Randnotiz in der Geschichte des LGA 1700.

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