A24 lässt die Kettensäge aufheulen: Unsere Analyse zur Texas Chainsaw Massacre-Übernahme
Nach fast einem Jahr intensiver Verhandlungen hat der Indie-Liebling A24 offiziell ein neues Kapitel der Horrorgeschichte aufgeschlagen und sich die Rechte am legendären Texas Chainsaw Massacre-Franchise gesichert. Der Deal, der im Februar nach einer hart umkämpften Auktion unter der Leitung von Verve besiegelt wurde, ebnet den Weg für eine noch unbetitelte Fernsehserie. Als ausführender Produzent ist Schauspieler Glen Powell an Bord, während JT Mollner für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnet. Parallel dazu befindet sich ein separater Spielfilm in einer frühen Entwicklungsphase. Dieser Schritt markiert eine deutliche Expansion für die Kultmarke und zeigt, dass A24 nach der Beteiligung an Peacocks Friday the 13th-Prequel Crystal Lake immer tiefer in etablierte Genre-IPs eintaucht.
Wir betrachten den Einstieg von A24 in die Chainsaw-Saga mit vorsichtigem Optimismus. Zwar ist die Erfolgsbilanz des Studios mit originärem Horror wie Hereditary und Midsommar unbestreitbar stark, doch die Übernahme eines so geschichtsträchtigen und zuweilen unbeständigen Franchise stellt eine ganz eigene Herausforderung dar. Dieser Kauf festigt A24s Position als Schwergewicht im Horrorgenre, bedeutet aber auch eine Abkehr von ihren typischen, von der Kritik gefeierten Originalstoffen hin zur Verwaltung einer bereits existierenden und oft verworrenen IP. In der Horror-Community gibt es bereits geteilte Meinungen: Viele fragen sich, ob der typische „Arthouse“-Ansatz von A24 zur rohen, schmutzigen Ästhetik des Texas Chainsaw Massacre passt.
Die Texas Chainsaw Massacre-Serie: Ein neuer Einstiegspunkt?
Das erste Projekt, das Form annimmt, ist eine TV-Serie, die sich derzeit in Arbeit befindet. JT Mollner, der zuletzt mit Strange Darling für Aufsehen sorgte, wird sowohl die Regie als auch das Drehbuch übernehmen. Berichten zufolge plant Mollner die Serie als frischen Einstiegspunkt, ohne dabei die bestehende Folklore zu ignorieren, die das Publikum seit Jahrzehnten fasziniert. Solche Versprechungen hört man bei Franchise-Reboots oft, und ehrlich gesagt sind wir skeptisch, wie leicht sich eine „frische“ Perspektive mit der Treue zu einer Marke vereinen lässt, deren Lore über neun Filme hinweg immer wieder verdreht und revidiert wurde. Die Zeitlinie des Franchise ist ohnehin schon ein pures Chaos.
Glen Powell, ein bekennender Fan des Originalfilms von Tobe Hooper und Kim Henkel aus dem Jahr 1974, wird als ausführender Produzent fungieren. Powell lobte das Original als einen seiner Lieblingsfilme und als ultimative filmische Darstellung seiner texanischen Heimat. Während seine Leidenschaft ein gutes Zeichen für die Authentizität ist, beschränkt sich sein Engagement bisher auf die Produktion; ein Auftritt vor der Kamera ist nicht geplant. Es bleibt abzuwarten, wie viel kreativen Einfluss er neben dem umfangreichen Produzententeam tatsächlich ausüben wird.
Das gesamte Team der ausführenden Produzenten für die Serie umfasst:
- Glen Powell
- Roy Lee (Spooky Pictures)
- Steven Schneider (Spooky Pictures)
- Stuart Manashil
- Ben Ross (Image Nation)
- Dan Cohen (Barnstorm)
- Kim Henkel (Exurbia Films)
Ian Henkel und Pat Cassidy (Exurbia Films) sind ebenfalls als Produzenten beteiligt. Kim Henkel, Mitschöpfer des Originals, zeigte sich zuversichtlich und glaubt, dass dieses Team die beste Chance bietet, eine „augenöffnende und unerwartete Serie“ zu erschaffen, die die „epische Geschichte hinter den Kulissen von Chainsaw“ ergründen kann. Henkels Segen ist zwar viel wert, doch der Erfolg wird letztlich von der Umsetzung abhängen – und davon, ob das Team dieses große Versprechen für ein Franchise einlösen kann, das eher für brutale Schlichtheit als für epische Erzählstrukturen bekannt ist.
Diese TV-Adaption befindet sich in guter Gesellschaft, da immer mehr klassische Slasher-Franchises den Sprung auf den kleinen Bildschirm wagen. Child's Play feierte Erfolge auf Syfy und USA Network, wobei die Premiere in der ersten Woche 4,4 Millionen Zuschauer erreichte. Auch das Alien-Franchise wird mit Alien: Earth auf FX fortgesetzt, wobei die Produktion bereits abgeschlossen ist und die Premiere für August 2025 angesetzt wurde. Unterdessen ist A24s Friday the 13th-Prequel Crystal Lake, dessen Produktion im Oktober 2025 endete, ein weiterer heiß erwarteter Titel für 2026. Der Erfolg dieser Serien deutet auf einen tragfähigen Weg für Leatherface hin, auch wenn Chainsaw sich immer besonders „kinomatisch“ angefühlt hat.
A24s Griff nach den Ikonen
A24 sicherte sich die Rechte am Texas Chainsaw Massacre in einer hart umkämpften Auktion im September, wobei der Deal diesen Monat offiziell abgeschlossen wurde. Verve vertrat die Rechte an dem Slasher-Franchise bereits seit 2017. Berichten zufolge zeigten auch prominente Filmemacher wie Jordan Peele, Taylor Sheridan und Oz Perkins Interesse an einer Wiederbelebung der Marke, was den bleibenden Wert und die Strahlkraft der IP unterstreicht.
Diese Akquisition passt zur starken Horror-Historie von A24, zu der gefeierte Filme wie die X/Pearl/MaXXXine-Trilogie gehören. Bisher handelte es sich dabei jedoch meist um Originalprojekte oder tiefgründige Arthouse-Interpretationen. Mit diesem Schritt festigt A24 seine Position im Horror-Mainstream. Wir fragen uns jedoch, ob dies einen strategischen Wandel einläutet, der die Marke A24 – die bisher für unverwechselbares Autorenkino stand – durch kommerziell getriebene Franchise-Inhalte verwässern könnte.
Franchise-Geschichte und der Weg nach vorn
Der Originalfilm The Texas Chain Saw Massacre von 1974 war ein Low-Budget-Wunder. Produziert für nur 140.000 US-Dollar (inflationsbereinigt ca. 700.000 Dollar), spielte er allein in den USA über 30 Millionen Dollar ein. Allerdings wurden die ursprünglichen Filmemacher um ihre Profite betrogen; viele Beteiligte sahen aufgrund undurchsichtiger Vertriebsdeals kaum Geld. Vor diesem Hintergrund bleibt zu hoffen, dass A24 unter seiner Leitung für eine faire Behandlung aller Beteiligten sorgt.
Seit den Anfängen brachte das Franchise acht Fortsetzungen, Prequels und Remakes hervor, zuletzt den Netflix-Film Texas Chainsaw Massacre von 2022. Dieser stieß bei Kritikern und Fans auf wenig Gegenliebe und wurde oft als „planloser“ Slasher kritisiert, der Leatherfaces Erbe nicht gerecht wurde (31 % Kritiker-Score auf Rotten Tomatoes). Insgesamt haben die neun bisherigen Filme weltweit über 252 Millionen Dollar eingespielt. Das klingt viel, verblasst aber im Vergleich zu Giganten wie dem Conjuring-Universum (über 2,2 Milliarden Dollar) oder Resident Evil (über 1,2 Milliarden Dollar). Dies zeigt, dass Texas Chainsaw Massacre zwar ikonisch ist, die kommerzielle Performance im Vergleich zu anderen Horror-Größen jedoch eher mittelmäßig ausfiel – eine Herausforderung für A24, die Marke finanziell zu revitalisieren.
Zusätzlich zur TV-Serie plant A24 einen noch unbetitelten Kinofilm, der dasselbe Produzententeam nutzt. JT Mollner ist an diesem Filmprojekt jedoch nicht beteiligt. Da das Projekt noch nicht fertig „geschnürt“ ist, bleibt unklar, ob es wie ursprünglich angedacht bei Netflix landen wird oder einen anderen Weg geht. Diese Trennung der kreativen Köpfe für Film und Serie könnte entweder eine bewusste Strategie für unterschiedliche Visionen sein oder ein Zeichen für frühe kreative Unsicherheiten. Wir werden genau beobachten, wie sich diese beiden Projekte voneinander weg entwickeln.
Mit A24 am Steuer scheint das Texas Chainsaw Massacre-Franchise vor einem neuen Kapitel zu stehen. Das Versprechen lautet, die düstere Saga mit frischer Vision zu erkunden und gleichzeitig das furchteinflößende Erbe zu respektieren. Es bleibt zu hoffen, dass A24 die Widersprüche dieses geliebten, aber problematischen Franchise meistern kann, um etwas wirklich Fesselndes abzuliefern – und nicht nur einen weiteren unnötigen Eintrag in Leatherfaces verworrener Geschichte.
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