Der Überraschungshit Ready or Not aus dem Jahr 2019 war deshalb so erfolgreich, weil er als gnadenlose, kompakte und tiefschwarze Dekonstruktion des „Final Girl“-Klischees funktionierte. Samara Weavings Grace überlebte nicht einfach nur; sie brannte das gesamte Establishment nieder. Sieben Jahre später kehrt das Regie-Duo Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett (bekannt als Radio Silence) mit Ready or Not 2: Here I Come in diesen Sandkasten zurück. Doch während die Fortsetzung die Lore des Le-Domas-Universums zu einem globalen Machtkampf ausweitet, opfert sie oft die klaustrophobische Spannung des Originals für eine ausufernde Verschwörungserzählung, die über ihre eigenen Ambitionen stolpert.
In 108 Minuten begleiten wir Grace und ihre entfremdete Schwester Faith (Kathryn Newton) durch ein mörderisches Ritual im Danforth-Resort. Der Preis? Der „Vorsitz“ in einem weltweiten Rat. Die Kosten? Unmengen an Blut und eine Reihe verpasster Gelegenheiten.
Ein Schwesternduo in einer Welt voller Ikonen
Der größte Pluspunkt von Here I Come ist zweifellos die Chemie zwischen Samara Weaving und Kathryn Newton. Das Projekt war ursprünglich als eigenständige „Schwestern-Story“ geplant, bevor es in die Ready or Not-Marke integriert wurde – und diese DNA ist deutlich spürbar. Newton fügt sich hervorragend in diese übersteigerte, gewalttätige Realität ein und verleiht Faith eine hektische Energie, die Graces kampfgestähltem Zynismus wunderbar entgegenwirkt.
Die Nebenbesetzung liest sich wie ein Fiebertraum für Horrorfans. Elijah Wood und David Cronenberg gemeinsam vor der Kamera zu sehen, ist eine Art Genre-Crossover, das man sonst eher in Indie-Geheimtipps vermutet als in einer 14-Millionen-Dollar-Fortsetzung. Sie verleihen dem „Hohen Rat“ eine Gravitas, die die Bedrohung über eine einzelne verrückte Familie hinaushebt. Leider gelingt es dem Film kaum, diesen Schwergewichten genug Raum zur Entfaltung zu geben. Wer Cronenberg und Wood verpflichtet, sollte mehr liefern als nur atmosphärisches Stirnrunzeln.
Das Ursula-Danforth-Dilemma
Der größte Magnet für viele Zuschauer dürfte Sarah Michelle Gellars Rückkehr ins Horrorgenre als Ursula Danforth sein. Als Mitglied des elitären Rates strahlt Gellar eine kalte, messerscharfe Autorität aus, die sofort klarmacht, warum sie eine Genre-Legende ist. Doch genau hier verliert der Film seinen Fokus.
Es grenzt an Ressourcenverschwendung, ein physisches Kraftpaket wie Gellar zu casten, nur um sie auf eine einzige Nahkampfsequenz zu beschränken. Wo man einen taktischen Showdown erwartet hätte, bekommt man eine Figur, die mehr Zeit damit verbringt, über Macht zu reden, als sie auszuüben. Ihr Abgang im dritten Akt – ein plötzlicher Genickbruch durch ihren Bruder Titus – wirkt eher wie eine billige Schock-Abkürzung als wie ein befriedigender Abschluss für ihren Handlungsbogen. Wenn man eine Ikone in die Manege holt, sollte man sie mehr tun lassen, als nur in einem Business-Kostüm bedrohlich auszusehen.
Wenn das Spiel zu groß wird
Das Drehbuch von Guy Busick und R. Christopher Murphy versucht, die Einsätze zu erhöhen, indem es die Handlung in das luxuriöse Danforth-Resort verlegt. Während der erste Film von den engen, verrottenden Korridoren eines einzigen Herrenhauses profitierte, wirkt das Sequel seltsam zerfahren. Das Ritual umfasst nun vier rivalisierende Familien, die Jagd auf die Schwestern machen, um sich einen Platz im globalen Rat zu sichern.
Dieser Schwenk verändert den Ton von einer Survival-Horror-Komödie hin zu einem düsteren Action-Thriller. Für Fans des straffen Erzähltempos des Originals fühlt sich das wie ein Rückschritt an. Der Metascore von 59 spiegelt diese gespaltene Realität wider: Es ist ein solider Slasher, aber es fehlt der präzise satirische Biss, der Graces ersten Auftritt so besonders machte. Im Vergleich zum Film von 2019 wirkt Here I Come weniger wie ein verzweifelter Kampf ums Überleben und mehr wie ein lore-lastiges Fundament für ein kommendes Franchise.
Ein aufgeblähter Slasher mit stumpfen Zähnen
Ready or Not 2: Here I Come ist eine ordentliche Fortsetzung, die jedoch unter dem typischen „Sequel-Overkill“ leidet. Radio Silence verstehen es nach wie vor, kinetische, blutgetränkte Action-Setpieces zu inszenieren, und Samara Weaving bleibt das Beste, was dem Genre im letzten Jahrzehnt passiert ist.
Letztendlich stolpert der Film aber über seine neuen Spielzeuge. Zwischen den mehrfachen Verschiebungen des Starttermins und frühen Gerüchten über einen Regiewechsel wirkt das Endprodukt wie ein Kompromiss. Wer die Darsteller und den Mut zum exzessiven Worldbuilding schätzt, kommt auf seine Kosten – man sollte jedoch nicht erwarten, dass dieser Teil das Original in der persönlichen Horror-Rotation ablösen wird.
Empfehlung: Für eingefleischte Fans von Samara Weaving oder Radio Silence einen Blick wert, aber erwartet nicht das Sarah-Michelle-Gellar-Comeback, das das Marketing versprochen hat.
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